Eiger Nordwand – Heckmair Route

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Abenteuer in Fels und Eis

„Schnell is gangen“ ging mir durch den Kopf als ich im Zug Richtung Innsbruck saß, hatte ich doch vor kurzen eigentlich für Heute ganz was anders vor.

Das Wetter in der Schweiz und vor allem unsere Motivation war bestens und zwang Roli und mich förmlich einen Versuch zu starten, auch wenn die Bedingungen nach den Infos eines Locals nicht optimal waren, da es Tags zuvor einiges an Neuschnee gab. Mal schauen!

Richtig Spannend wurde es jedoch schon bei der Anreise, da wir hier einen Wettkampf gegen die Ankunftszeitberechnung des Navis zu fechten hatten, welcher durch ein einstündiges Werkstattintermezzos aufgrund eines rechten Radlagerdefektes zu einem wirklichen Krimi mit wohl geformten Spannungsbogen wurde.

In gefühlt letzter Sekunde erwischten wir noch die Zahnradbahn von Lauterbrunnen Richtung Kl. Scheidegg und weiter zur Station Eigergletscher. Zahn für Zahn gings hinauf zu den iImposanten Gipfelriesen des Berner Oberlandes Eiger, Mönch, Jungfrau.

Nach einem Nervenberuhigungsbier für vergangene und kommende Strapazen und einem stimmungsvollen Sonnenuntergang fielen wir in einen kurzen aber intensiven Schlaf ehe uns um zwei der Wecker in den Wachzustand versetzte.

Den bruchharschigen Zustieg brachten wir mit etwas Extraschweiß hinter uns und stiegen im Stirnlampenschein und mit Unterstützung der Leuchtkraft des Mondes in die Wand ein. Das untere Drittel der Wand, bis zum schwierigen Riss, war bei der gegenwärtigen Schneelage und auf dem richtigen Weg seilfrei gut machbar. Bis hierher konnten wir uns, obwohl keine Spur vorhanden war, mithilfe des am Vorabend gemachten Übersichtsfotos der Wand gut durchsuchen.

 

Von nun an passierten wir Schlag auf Schlag die mit den klingenden Namen versehenen Abschnitte der Wand. Innerlich diese Namen rezitierend gings vorbei am: Schwierigen Riss mit dem momentanen Seilgemenge in punkto Schwierigkeit sehr überschaubar.

 

Hinterstoißer Quergang mit dem Fixseil eher ein Klettersteig.

 

SchwalbennestErstes Eisfeld kurz und gut zu gehen, Eisschlauch super zu klettern 70-80°, Zweites Eisfeld ebenfalls gut zu stapfen, Bügeleisen kurzer kletternder Aufschwung, Todesbiwak in überraschend sauberem Zustand nicht ausgehakt, Drittes Eisfeld unscheinbar.

Nach einer Suppe gings weiter.


Rampe
 lockerer Schnee aber gut kletterbar mit steiler fordernder Länge und Schneepilz.

 

Wasserfallkamin nahezu ein Genuss.

Rampeneisfeld blank und spröde.

Brüchige Rampe Zustieg zu dieser wirklich brüchig oida leck Biwakmöglichkeit auf Rampe, Brüchiger Riss fordernd aber gut zu klettern sehr luftig.

Götterquergang etwas wenig Schnee – Eiertanz auf zwei Beinen, Spinn i‘  is de blank bis uns die Wadeln um die Ohren sausen.

 

Ausstiegsrisse steil und nochmal fordernd nach der Spinne drei Längen rechts halten nicht zu früh links (hier Rückzugskeil und Schlaghaken mit Schnapper).

Quarzriss echt steil und fordernd, Corti-Biwak nicht aufgefallen dürfte keine paradiesische Größe haben, Gipfeleisfeld blank Wadeltrauma garantiert, Mittellegigrat sehr ausgesetzter aber unschwieriger Schneegrat, Eiger 3970 m YEAH!

 

Nach einer kurzen Teekochpause und einem genießenden Moment am Gipfel gings mit den letzten Sonnenstrahlen westseitig zuerst 200 hm, steil ca. 35-40° abkletternd, dann im knietiefen Sulz am Arsch rutschend bis zur Bahnstation hinunter. Die im unteren Bereich natürlich geformten Rutschbahnen (anglophil „natural pipes“) waren einfach genial und so rutschten wir mit kindlichem Freudengeschrei die 1800 hm Richtung Tal.

Verhältnisse
Aufgrund der erträglichen Tageserwärmung (Nullgradgrenze 3500m) und dem zeitlich frühen (3Uhr) Einstieg hatten wir quasi null Steinschlag, aber trotzdem „feine“ Klettertemperaturen. Weitenteils waren sehr passable Kletterbedingungen, der Bruchharschzustieg war suboptimal, die blanken Eisfelder forderten Wadelstrom.

Fazit

Ich war von der Menge an vorhandenen Haken, Schlingen und Fixseilen überrascht. Eine gewisse Schlingenbereinigung würde die Tour in Punkto Schwierigkeit sicherlich in einen ursprünglicheren (ehrlicheren) Zustand versetzen, auch wenn wir an allem gezogen haben was hergekommen ist, bin ich für Ehrlichkeit. Die schwierigen Abschnitte sind durchaus fordernd aber meist gut eingenagelt und oft mit Schlingen entschärft. Wenn du in einer schwierigen und steilen Stelle keine Steigeisenkratzspuren siehst bist du falsch. Meist gibt’s deutlich eingeschliffene Tritte und Hooks.

Die Heckmair-Route ist konditionell anspruchsvoll weil sehr lang, 1800 hm, 4 km Länge und akklimatisationstechnisch schon in großer Höhe. Die Kletterei macht jedoch wirklich Spaß, Eis wechselt sich mit Mixed Abschnitten in meist gutem Fels. Die Route sucht auf eindrücklicher Weise einen Weg durch die Schwachstellen der Wand, wodurch deren Verlauf zwar einige „Hin und Hers“ hat, aber in der Wand befindlich meist als logisch erscheint.

Der Umstand, dass die Erstbesteiger „ohne jegliche“ Vorkenntnisse und mit der damaligen Ausrüstung die Route eröffnet haben, stellt für mich eine echt wahnsinnige Leistung dar, die mich zum Staunen bringt. Die zeitlichen Pulverisierungen der zwei Rennsemmeln Arnold und Steck sind nach unserer Begehung für mich einfach nur unglaublich und fast nicht nachvollziehbar.

Wie man an den unzähligen Links unten schon erkennt ist die heutige Informationslage unglaublich groß und ein virtuelle Begehung der Route vom Sofa aus möglich. Ob dies den Abenteuerwert und den Reiz der Route erhöht darf in diesem Zusammenhang sicher hinterfragt werden.
Im Zweifel nicht alles anklicken.

Webcam
http://panocam.panomax.at/lauberhorn (direkter Einblick in die Wand in Echtzeit)

Wetter/Lawine
http://www.meteoschweiz.admin.ch/web/de.html
http://www.slf.ch/lawinenbulletin/lawinengefahr

Video
https://www.youtube.com/watch?v=8-6Kv1IKynk (etwas martialisch aber informativ)

Blogseiten
http://www.thamer.at/2011/04/14/ein-unglaublicher-tag-am-gipfel-vom-eiger-durch-die-nordwand/ (ziemlich ausführlich)
http://moaddsgaude.wordpress.com/2011/02/06/heckmair-eiger-nordwand/(prägnant)
http://wuidebuam.blogspot.co.at/2011/03/eiger-norwand.html

Wandfotos
http://www.hikr.org/gallery/photo498037.html
http://www.topodb.ch/index.php?function=display&object=Sector&level=sector&id=657
http://www.chmoser.ch/trips/berichte/tourendetail.php?TourId=671 (Abstieg)