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Outdoorpädagogik

Schule draußen – Outdoorpädagogik als Unterricht?

Der Text wurde geschrieben von Andrea Schider, Kornelia Vogel und Felix Autor.

 

Bildungskrise 2023 – Es „brennt“ an vielen Schulen, die Kritiken am Bildungssystem finden auch hier in Salzburg bereits einen öffentlichen Ausdruck (z.B. hier).

Schule trägt eine große Verantwortung in der Gesellschaft mit ihrem Bildungs- und Erziehungsauftrag. Leider kann dieser in manchen Schulen defacto nicht erfüllt werden, weil sinnvoller Unterricht nicht stattfindet. Überforderung und Frustrationen von Lehrpersonal und Schüler:innen an den gegebenen Verhältnissen lassen im Unterricht oftmals eine Atmosphäre entstehen, die Lehren und Lernen nahezu unmöglich macht. Traurig, wenn man bedenkt, wie viel Lebenszeit Kinder und Jugendliche in der Schule und in ihrer Klasse verbringen, die eigentlich für die Weichenstellung ihrer Zukunft genutzt werden sollte. Viele Schüler:innen können von der Schule kaum aufgefangen werden und bekommen damit ihre Zeit für Bildung und Entwicklung gestohlen. Ihre Bildungskarrieren sind nahezu vorprogrammiert. Wir wissen schon länger, dass Österreich weit entfernt ist von einer gerechten Verteilung von Bildungschancen (Stichwort: Herkunftseffekte). Diese Realität wurde nun nochmals verschärft durch die Maßnahmen während der Corona-Pandemie.  Sie hat bei Schüler:innen – vor allem bei jenen, die in unterprivilegierten Verhältnissen und sozial schwachen Milieus aufwachsen – erhebliche Defizite sowohl beim Lernen als auch hinsichtlich ihrer sozialen Kompetenzen hinterlassen. 

Eine Gruppe Jugendlicher überm Nebelmeer in Salzburg

Die aktuellen vielfältigen Problematiken im System „Schule“ lassen das Gefühl von Ohnmacht und Hoffnungslosigkeit entstehen. Personalmangel, zu große Klassen, Corona, die „schlimmen“ sozialen Medien, Digitalisierung etc., es brennt an vielen Ecken und Enden. Es fehlen im großen Ausmaß Betreuungsangebote von besonders verhaltensauffälligen Schüler:innen (“Sprengertypen”, die wegen der Schulpflicht in der Klasse sitzen „müssen“). Es gibt wenig Zeitressourcen für individuelle Lernbegleitungen und Räume, in denen Lerndefizite nachgeholt werden können. Das erzeugt eine Situation in Klassen, wo ein Großteil der Schüler:innen, die eigentlich gern lernen würden, nicht lernen können, da die Betreuung einer Minderheit von Schüler:innen dominant die Unterrichtszeit beansprucht. Vielerorts kämpfen Lehrer:innen an der Unmöglichkeit der Kultivierung von Disziplin unter wertschätzender, respektvoller Atmosphäre. Das regelmäßige Scheitern am pädagogischen Auftrag, Heranwachsende zu unterrichten und bestmöglich in ihrer Entwicklung zu begleiten, erzeugt hohen Frust und Kapitulation, sowohl in der Schüler:innen- als auch in der Lehrer:innenschaft. Zeit für eine sinnvolle Begegnung mit dem Problematiken wird nicht gefunden, da oftmals krampfhaft am durchgetakteten Bildungskatalog festgehalten wird, ohne zu erkennen, welche Maßnahmen womöglich „sinnvoller“ wären.

Wie wichtig wäre ein wertschätzendes soziales Miteinander und eine gute Klassengemeinschaft, um überhaupt erstmal einen stabilen Rahmen bieten zu können, in dem der Unterricht mehr Schüler:innen erreichen kann und Defizite kompensiert werden können? Nicht nur die Lehrer:innen und das Interesse am „Lernstoff“, auch die Klassengemeinschaft hat erheblichen Einfluss darauf, ob Zeit in der Schule und Unterricht als positiv und erfüllend empfunden wird.

Lernen im Unterricht muss (wieder) Freude bereiten und darf nicht von einem „Wann hört es endlich auf zu dauern?“ überschattet werden. Beispielsweise regelmäßig stattfindende Unterrichtseinheiten, die sich explizit der Förderung der sozialen Kompetenzen widmen (z.B. in Form von Outdoor- und Erlebnispädagogik!), wären ein Versuch, um die Lage etwas zu entspannen. Klar ist jedoch, dass es akute strukturelle Änderungen wie mehr Personal, mehr Schulsozialarbeit, mehr Workshops für Lehrer:innen, mehr Arbeit in kleineren Gruppen und noch viele weitere Veränderungen dringend braucht, um den schwierigen Bedingungen sinnvoll und nachhaltig begegnen zu können. Bei der Beschulung von einigen besonders belasteten Schüler:innen sind natürlich andere Grenzen gesetzt, hierfür bräuchte z.B. mehr Möglichkeiten für Sonderförderungen und Einzelbegleitungen. Die Forderungen an die Politik werden immer lauter nach einem Ausbau von Sozialpädagogik, Schulsozialarbeit, Sonderpädagogik, Erlebnispädagogik, Familienbetreuungen, Beratungen, Angebote für Psychotherapie etc.. Wir möchten diese Forderungen unterstreichen.

 

 

 Jeder Mensch hat das Recht auf Bildung. (…) Die Bildung des Kindes muss darauf gerichtet sein, die Persönlichkeit, die Begabung und die geistigen und körperlichen Fähigkeiten des Kindes voll zur Entfaltung zu bringen.

(Charta der Menschenrechte, UN-Kinderrechtskonvention)

 

Welchen Beitrag kann Outdoorpädagogik leisten?

Ist eine „Schule draußen“ eine sinnvolle und wirksame Ergänzung zur Unterrichtszeit drinnen, um zu „entspannen“ und soziale Kompetenzen gerecht zu fördern, die es so dringend bräuchte? Würde eine regelmäßige Implementierung von handlungsorientiertem Lernen an der frischen Luft in der Unterrichtszeit zu einer Entlastung bei Lehrer:innen und Schüler:innen führen? Wie wertvoll sind Perspektiven auf die Natur und das Draußen-Sein in Zeiten von Stress, Smartphone und Co? Wie wäre es, professionelle Erlebnispädagog:innen (und andere Professionist:innen!) als Bildungsergänzung im Unterricht einzusetzen, anstatt z.B. Freizeitpädagog:innen von ihrem wertvollen Auftrag abzuziehen und in die Unterrichtsassistenz zu schicken?

Fakt ist: Die Wirksamkeit von Outdoor- und Erlebnispädagogik als Maßnahme für Schulklassen ist nicht nur spürbar und praxiserprobt, sondern in vielen Studien wissenschaftlich bestätigt (z.B. Evaluation des Projektes „Erlebtes Lernen für Schulklassen“, Elmar Straube, 2022, Ziel-Verlag). Sie kann nicht alles, aber sie wäre wohl eine fruchtbare Ergänzung im Unterricht bei vielen (überforderten) Schulen.

Schüler:innen beim Teambuilding in Salzburg

 

Das Projekt „Schule draußen“ mit einer Mittelschule der Stadt Salzburg

Kornelia Vogl (Menschenrechtsschulen und -kindergärten in der Stadt Salzburg), Andrea Schider und Felix Autor (beide Erlebnispädagog:innen von Freiluftleben) entwickelten aus diesen Überlegungen das Projekt “Schule draußen”, um einen kleinen gesellschaftlichen Beitrag zu leisten, indem sie mit zwei Klassen einer sogenannten “Brennpunktschule” ein für die Klassen kostenloses Teambuilding an vier Terminen durchführten. Ziel des Projekts war es, die Klassengemeinschaft zu stärken, an elementaren Prinzipien des Miteinanders zu arbeiten und nebenbei den Kindern die Natur in ihrer Umgebung sowie den Spaß an Bewegung im Freien näherzubringen. 

Jugendliche beim Spielen bei Sozialpädagogischen Programm in Salzburg

Jugendliche im Wald bei Sozialpädagogik Programm

Unser Fazit: Positive Ergebnisse waren bereits nach vier Terminen im sozialen Gefüge der Klassen bemerkbar, allerdings braucht es für eine nachhaltige Veränderung der sozialen Beziehungen in einer Klasse weitaus mehr Interventionen und deren Verschränkung im Unterricht, damit die Klassengemeinschaft auch gestärkt bleibt. Die Lehrer:innen bekamen die Möglichkeit, während des Projekts ihre Klasse aus einem anderen Blickwinkel kennenzulernen. Dies wurde als sehr kostbar von den Lehrer:innen wahrgenommen. Zu unseren primären Zielen zählten die Stärkung der Klassengemeinschaft, die Bewegung in der Natur sowie das Kennenlernen der Natur bzw. das Entdecken schöner Plätze in der Umgebung. Im Prozess konnten alle Beteiligten zumindest kleine Effekte unserer Arbeit wahrnehmen. Durch die handlungsorientierten Übungen und den Reflexionen gemeinsam in der Klasse, aber auch mit den Lehrer:innen gelang es uns, neue Perspektiven anzustoßen und das ein oder andere Aha-Erlebnis zu erzeugen. Es ergab sich ebenso die Möglichkeit, mit Schüler:innen auch in kleinen Gruppen oder einzeln zu arbeiten und individuelle Lernimpulse zu setzen. Für uns selbst war es sehr bereichernd, da wir einen authentischen Einblick über aktuelle Problematiken des Schulalltags bekamen. Zudem konnten wir experimentieren, wie wir im Rahmen der Schule positiv wirken können um damit einen kleinen Beitrag zum Gemeinwohl leisten zu können.

Holzscheiben mit Schlagworten beim Workshop

Wir haben für unsere Arbeit von den Schüler:innen sowie dem Lehrpersonal äußerst positive Rückmeldungen erhalten und hoffen wir darauf, auch in Zukunft die nachhaltige Unterstützung der jungen Generation mit Hilfe von finanzieller Unterstützung und befruchtenden Kooperationen mit lokalen Institutionen hier in Salzburg weiter durchführen zu können. Diese Kooperation hat uns vor allem gezeigt, dass es dringende Interventionen in den Schulen braucht, um die komplexen Probleme und auch die Nachwirkungen der vielen Lockdowns abzufangen. Der wichtige Auftrag Handlungen zu setzen, um soziale Ungleichheiten etwas zu dämpfen und größere Bildungsgerechtigkeit herzustellen, wird zudem durch kooperative Projekte sichtbarer und bekommt dadurch eine größere Reichweite und Qualität. Der gesellschaftliche „soziale“ Auftrag wird durch die Vernetzung von Institutionen dicker unterstrichen. In konstruktiver Zusammenarbeit könn(t)en wir sehr viele Stärken und Professionen bündeln und gemeinsam wirken.

Kinder im Wald bei erlebnispädagogischen Programm

Wir hoffen, dass wir auch in Zukunft finanzielle Mittel dafür lukrieren können, um weiterhin Kinder und Jugendliche in ihrem Schulalltag unterstützen zu können.

 

Wir von Freiluftleben bieten uns gerne als Kooperationspartner und Umsetzer von Bildungsprogrammen, die das “Draußen sein” und Lernen in Gruppen thematisieren. 

 

“Schule draußen” – ein Leuchtturmprojekt von Freiluftleben Soziales, dass auf Bildungsungerechtigtkeit hinweist und Bildungschancen von Erlebnispädagogik thematisiert und ermöglicht. Das Projekt wurde getragen durch unsere Haltung, unser idealistisches Engagement und die Idee von Kooperation und Vernetzung mit lokalen Institutionen. Es wurde finanziert von:

 

Wenn du unsere sozialen Projekte mit einer Spende unterstützen möchtest, freuen wir uns über eine Kontaktaufnahme:

+43 664 64 664 23

soziales@freiluftleben.at  

Klettern in Istrien

Der Text wurde geschrieben von Martin Pühringer und Felix Autor.

Der Herbst ist wieder wahrhaftig golden. In Salzburg ist gerade die beste Kletterzeit. Trotzdem ist es immer wieder reizvoll, das Jahr noch mit ein paar schönen Klettertagen im Süden zu versüßen. Eine Reise in andere Länder bringt nämlich stets diesen besonderen „Urlaubs-Effekt“ mit sich.

Da wir schon länger einen Klettertrip nach Istrien in unser Programm aufnehmen möchten, machten sich Martin und Felix an die Arbeit, ein paar Tage durch das kroatische Hinterland zu streifen und Ideen für abwechslungsreiche Tage zu sammeln. Nicht nur die Felsen, sondern auch Kulinarik und der Besuch kleiner Städtchen standen auf dem Tagesplan.

 

Auf geht’s zu Sonne und Meer, Sinter und Leisten, Wein und Trüffel.

 

Nach knapp vier Stunden Autofahrt ab Salzburg, entweder durch Friaul oder die Karawanken, erblickt man schon das Sinnbild aller Sehnsüchte: das Meer.

 

Auch um diese Jahreszeit lohnt ein Sprung ins kühle Nass. © Martin Pühringer

 

Wer bereits schwitzige Finger hat, kann gleich mal nach Osp oder Crni Kal abbiegen. Sucht man jedoch ein schönes Städtchen im Hinterland, fährt man am besten weiter und hält die Augen offen nach Hügeln. Dort tummeln sich diese üblicherweise.

Über der Grenze entzückt gleich mal das malerische Buzet die Herzen. Auf diesem Hügel laden die alten Mauern zum Verweilen und Kaffeetrinken ein.

 

Das kleine Städtchen Buzet. © Felix Autor

 

Schattige Felsen gibt’s auch gleich um die Ecke, z.B. im Buzetski Canyon. Zur Genüge gibt es in Istrien allerdings Kletterfelsen zum Schwingen in der Sonne. Auch im Buzetski Canyon, aber viel mehr in der Umgebung  des kleinen Dörfchens Roc, z.B.: im Sunset Sektor Ciritez oder im schönsten und beliebtesten Klettergebiet der Gegend, in Kompanj. Apropos Roc, ein großes historisches Highlight für Künstler und Buchdruckinteressierte!

 

Traumhafte Stimmung beim Sonnenuntergangsklettern in Kompanj. © Felix Autor

 

Die kleinen Dörfer ringsherum geben ein schmackhaftes Topping auf die Landschaft und geben der Gegend einen verträumten Charme. Wer auf Trüffel steht, dem sei das majestätisch gelegene Motovun empfohlen. Man kann sich beim Weg hinauf durch unzählige Trüffelshops verköstigen lassen und verstehen, wieso Trüffel so unfassbar teuer sind. Schon lecker, aber ganz ehrlich: Wir bleiben bei Nudeln mit Gemüse 😉

 

Ein Trüffelshop nach dem Anderen pflastert den Weg hinauf zum Stadtplatz von Motovun. © Martin Pühringer

 

Das landschaftlich malerische Klettergebiet Itarski Toplice ist übrigens (leider) mittlerweile nahezu komplett gesperrt. Naturschutz muss respektiert werden. Wir sagen „Halleluja“, als wir nach steilem Aufstieg dennoch diese spektakuläre Höhle finden. (Halleluja Cave ist neben Frat ein Sektor, der nicht gesperrt ist).

 

Die Halleluja Caves im Klettergebiet Itarski Toplice. © Martin Pühringer

Einer der wichtigsten Ausrüstungsgegenstände bei unserer Kletterreise. © Martin Pühringer

 

Unser opulentes Frühstück im Sonnenaufgang über den Wellen des Nebelmeers bleibt in guter Erinnerung. Auch die Kletterei. Die 8c+ durch das Dach war einfach unmöglich, so kraxelten wir lieber diese witzige Strickleiter hinauf.

Einfach herrlich. Es sind genau diese sonderlichen Abweichungen von Normalität, die solche Tage unvergessen machen. Und es ist erst morgens halb 10 Uhr in Kroatien.

 

Wir lieben diese stabil soliden Klettertage in feiner Gesellschaft mit immer wiederkehrender Ritualität:

Schlafen, Frühstücken, Klettern, Kaffeetrinken, Klettern, Abendessen, Philosophieren, Schlafen…

 

 

Aber Muskeln werden müde, die Haut dünn. So laden auch Kletterreisen ein zum Gegenden bestaunen, zum kulturelle Perspektiven erweitern beim Statuen bewundern, zum Inschriften lesen oder zum Einheimische in Gespräche verwickeln.

 

Und manchmal kommt da auch die Lust auf ein sündhaft teures Craft-Beer und auf eine Trüffelpizza.

 

Das kulinarische Highlight auf unserer Reise: Trüffelpizza. © Martin Pühringer

 

Die kurzen Tage vergehen auf jeden Fall schneller als der Wind, gerade dann, wenn die Neugier nur so vor sich hin strotzt. Beim Schreiben denken wir zurück ans entschleunigte schlendern durch Pazin, mit seinen imposanten Kastellen und Grotten, Schluchten und Wasserfällen. Oder an den Charme der  zauberhaften Städtchen am Meer wie Rovinj oder Porec. Wer die Augen offen hat nach Felsen, der wird welche finden.

 

 

Enden möchten wir mit einem Sprung ins erfrischende Meer im kitschigen Licht der untergehenden Sonne. © Martin Pühringer

 

 

Wir sind dankbar für jeden Moment, der uns in die Welt hinaus bringt, uns neue Einblicke gewährt und im Ausblick träumen lässt.

Noch vielmehr dankbarer sind wir aber für dieses große Privileg, diese Momente erleben und  genießen zu können. Danke. 

 

Wenn du mal mit einem Kletterguide von Freiluftleben zum Klettern in den Süden möchtest, kontaktiere uns gerne. Wir bieten nicht nur eine kompetente Kletterbetreuung, sondern werden auch versuchen, dass unser gemeinsame Zeit fantastisch wird.

 

Auf geht’s zum Klettern nach… 



Podcast – Klettern mit Kindern

Wer vorhat, mit seinen Kindern klettern oder bouldern zu gehen, der sollte sich unbedingt diese Podcast-Folge anhören!

Friluftsliv (norw.) = Freiluftleben

Jede*r von uns, der das Draußen-Sein zelebriert (ob nun mit seinem Zelt an einem einsamen Strand, in einer kalten Biwaknacht am Berg oder beim Radlfahren im Regen), weiß vielleicht um den Flow des Seins, dieses tiefe Gefühl der Zufriedenheit. Es fühlt sich da draußen in der Natur, am Fels oder  im Schnee oftmals alles so richtig an, fern von Verpflichtungen, Sorgen und Alltagsstress. Wir atmen dieses Gefühl tief ein und lassen uns inspirieren zu einer historisch-philosophischen Reise nach Norwegen, wo das Allmannsretten (Jedermannsrecht) allen Menschen bedingungslos die Begegnung mit der Natur ermöglicht.

 

In Norwegen entsprang “Friluftsliv”, was wörtlich übersetzt Freiluftleben heißt. 

 

Norwegen ist eines der dünn besiedeltsten Ländern (auf 1 km² kommen 14 Einwohner*innen) mit endlos weiten unberührten Naturlandschaften. Friluftsliv ist dort in der Kultur und Geschichte tief verwurzelt und heute im Gesetz verankert.

Es ist schwer, eine trennscharfe Definition für Friluftsliv zu finden. 

Im „Atlas of Happiness“ wird Friluftsliv als „ungezwungene Lebensart im Einklang mit der Natur“ beschrieben, die „unsere gefühlte Seelenverwandschaft zu wilden und natürlichen Gegenden“ ausdrückt. „Diese Naturverbundenheit kann nicht nur Freude bereiten, sondern uns auch verändern“, ja, es kann „sogar ein quasi-religiöses Gefühl für gesteigertes Bewusstsein und mehr Ganzheit des Seins vermitteln.“

Swantje Bittner nennt Kriterien wie im Freienachtsam und umweltbewusstnicht motorisiertkein Konkurrenzdenkenkörperlich und intellektuell forderndmöglichst einfach und puristisch für Frilfutsliv.

Für den Friluftsliv-Pionier Fridtjof Nansen (1861-1930) bedeutete es “das freie, einfache Leben, in frischer Luft, das uns das Privileg wiedergibt, das zu tun, was die ursprüngliche Bestimmung des Menschen ist” (Nansen, 1916). Die Erfahrung in und mit der Natur wird als zentraler Lebenssinn angesehen. Nils Faarlund, Gründer von Norges Høgfjellsskole* und einer der einflussreichsten Friluftsliv-”Lobbyisten” der letzten Jahrzehnte, schlägt eine Werteorientierung vor, um ein Verständnis von Friluftsliv zu entwickeln. Inspiriert von Rousseau und entstanden in der Epoche der Romantik transportiert es deren Werte wie Gefühl, Intuition, Leidenschaft, Erlebnis, Genuss, individuelle Freiheit, Sehnsucht, Fantasie, Träume, Idealismus, schöpferisches Wirken, Mystik, das Irrationale und Unbewusste als “Kiel und Ruder für Denken und Taten”. Friluftsliv birgt die Möglichkeit, die “wahre” Schönheit der Wildnis zu erkennen und somit einen Weg zu sich selbst zu finden.

 

Friluftsliv meint die gemeinsame Gestaltung einer achtsamen Zeit, eine „unnützliche“ Beschäftigung in und mit der Natur. 

 

Damit einhergehend wendet sich Friluftsliv als “Kind der Romantik” kritisch gegen Ideen von Konkurrenz, gegen Rationalismus, die Aufklärung, das Etablierte, das Bürgertum, das Konservative, das ehrgeizige Streben nach wirtschaftlicher Effizienz und gewinnorientierter Funktionalität. Vor allem nach dem 2. Weltkrieg bekommt Friluftsliv eine starke gesellschaftskritische Haltung. Die Ausbeutung der Welt erreicht mit der zunehmend globalisierten Wirtschaftswelt und Macht der Unternehmen immer wieder neue Höhepunkte. Nicht nur der Widerstand gegen die Naturzerstörung, auch das “Mahnen” eines umweltbewussten und naturfreundlichen Lebensstil wird immer mehr zu seiner Aufgabe. Sigmund Kvaloy Setreng (1934-2014) und Arne Nass (1912-2009), “hartnäckige Gegner aller Auswüchse von Ökonomisierung und Wachstumsgesellschaft”, bekennende Umwelt-Aktivisten und eine der Hauptakteure der “modernen “ Friluftsliv-Szene,  etablierten Ende des letzten Jahrtausends die ökophilosophische Bewegung, welche das Entwickeln von öko-sozialen Lebensformen und Möglichkeiten für ein Leben im Einklang mit Mensch und Natur sprichwörtlich “lebte”. Für Arne Nass war Friluftsliv ein Lebensstil-Konzept, um sich bewusst und respektvoll gegenüber der Natur und Umwelt zu verhalten, anstatt “den Planeten für die Befriedigung von menschlichen Luxusbedürfnissen” zu missbrauchen. Er nannte seinen Ansatz “Tiefenökologie”, heute nennen wir es Nachhaltigkeit oder die Theorie des lebendigen Planeten. Friluftsliv wird somit ebenso als kritischer pädagogischer Ansatz praktiziert

 

Friluftsliv ist keine bestimmte Aktivität, sondern eine Einstellung, eine Lebensphilosophie, eine Haltung. Es drückt tiefe Verbundenheit mit der Natur aus und fordert Empathie für die Umwelt.

 

Friluftsliv wird also “im Tun” stets mitgetragen. Die Erholung von der Zivilisation und die Ausübung körperlicher Aktivitäten in der Natur ist in Norwegen anerkanntes kulturelles Gut und dort im Bildungssystem gut verankert . Schüler*innen haben Friluftsliv als Schulfach, und es gibt unzählige Vereine und Organisationen, die Friluftsliv anbieten (vgl Westersjo, 2007). Friluftsliv hat das Bildungsziel, dass sich Menschen

  • Einstellungen (z.B. Lebensstil, Naturverbundenheit, Umweltbewusstsein…)
  • Fähigkeiten (z.B. Wahrnehmen von Gefahren, Gleichgewichtssinn, …) 
  • Fertigkeiten (z.B. Feuer machen oder Steigeisen richtig anwenden)

aneignen und damit einen “gesunden” und “natürlichen” Zugang zu körperlichen Aktivitäten und Bewegungsformen in der Natur bekommen. So stehen Wildniscamps, Alpinschulen und Outdoor-Unternehmen im klaren Auftrag von Friluftsliv. 

 

Was ist Friluftlsiv heute?

Friluftsliv genießt einen hohen Status in Norwegen und ist bei all Jenen, die das Privileg haben, sich Friluftsliv leisten zu können, ein fester Bestandteil des Lebens. Das “moderne” Friluftsliv hat natürlich nicht vor der touristischen Instrumentalisierung halt gemacht, so steht bei vielen Anbietern nicht mehr “nur” das Naturerlebnis und die Lernerfahrung, sondern oftmals auch “Sensation”, “Action” und “Outdoor-Konsum” im Vordergrund. Das traditionelle “romantische” Verständnis rückt durch die Kommerzialisierung oftmals in den Hintergrund.

Allerdings befindet sich die Gesellschaft im steten Wandel. Fridays for Future hat uns gerade aktuell wieder ins Bewusstsein geholt, dass wir Menschen nur einen einzigen Planet Erde haben und für eine lebenswerte Zukunft unser Mindset ändern sollten. So wird Friluftsliv mit dem aktuellen “neo-ökologischen” Zeitgeist zunehmend wieder richtig “hip” und reiht sich gut neben Lebenseinstellungen wie Minimalismus, Work-Life-Balance und Klimabewusstsein ein. 

Friluftsliv bekommt in Norwegen nachwievor starken politischen Rückhalt und wird breit gefördert, es steht im Rahmen von Vermittlung von Kultur und Tradition, der Gesundheitsförderung und Förderung von Umweltbewusstsein auf der politischen Agenda. Auch in der EU und in Österreich bemüht man sich heute in Schule und Universität, mit BNE (Bildung für nachhaltige Entwicklung) auf die globalen Herausforderungen zu sensibilisieren. Aber es scheint so, dass Norwegen schon lange wirklich verstanden hat, dass das “Raus in die Natur” überlebensnotwendig ist, um der “dicken” Luft der Zivilisation zu entkommen und wirklich “freie” Luft atmen zu können (vgl. Hofmann, 2015). So lassen wir uns gerne von einer gelebten Tradition als nur von einem neumodischen Trend inspirieren.

 

Was lernen wir von Friluftsliv für Freiluftleben?

Als Timo von seiner Norwegen-Reise zurückkam, erzählte er ganz inspiriert von diesem besonderen Zugang zur Natur, der Weite und Einsamkeit der Landschaft und dem Jedermannsrecht in Skandinavien. Das Allmannsretten erlaubt ein freies Bewegen, Zelten, Biwakieren sowie Lagerfeuer und Fischen in der Natur. Dies alles natürlich nur unter Berücksichtung eines respektvollen und nachhaltigen Umgang mit der Natur und dieser unglaublichen Freiheit. In Norwegen ist übrigens die Ausübung von Freiluftleben im friluftsloven (Freiluftgesetz) gesetzlich verankert. Dieses Verständnis von Freiluftleben als Grundrecht für alle Menschen hat uns zudem dazu bereichert, unseren Zweig Soziales zu etablieren, der den Auftrag hat, einen Zugang zur Natur und unseren Programmen und somit Teilhabemöglichkeiten für sozial benachteilige Menschen zu ermöglichen.

So war es uns von Anfang an sehr wichtig, nicht nur Programme zu verkaufen, sondern auch eine Haltung und ausgewählte Werte anzubieten. Wir versuchen, diese Haltungin unserer Philosophie wieder zu spiegeln und in unseren Programmen sichtbar werden zu lassen.

 

“If you want to create a nature friendly future, people need to get acquainted with nature and make friends with it.” (Nils Farlund)

 

Natürlich kann man Friluftsliv nicht einfach nach Mitteleuropa übertragen, denn es ist kulturell mit den großen Naturlandschaften Norwegens verwoben. Wir möchten dennoch folgende Dinge hervorheben, die wir bei Friluftsliv besonders lehrreich finden:

  • Erlebnisse teilen und gemeinsam unterwegs zu sein
  • (Un)Sicherheit und Risikobewusstsein leben = qualitativ hochwertige Lehre!
  • Achtsamer Umgang mit Mensch, Natur und Umwelt fördern
  • Das Privileg Freiluftleben Menschen zugänglich machen

So werden wir von Freiluftleben stets neben der Einhaltung hoher Sicherheitsstandards und pädagogischer Güte einen besonderen Wert darauf legen, dass neben der Aktivität auch immer ein Bewusstsein für das Rundherum, für einen Blick neben den Weg, für die Ferne oder für das philosophische Gespräch bleibt. Es liegt uns am Herzen, stets demütig und in tiefer Dankbarkeit ein Erlebnis teilen zu können, sich diesem Privileg immer wieder bewusst zu werden…

*Norges Høyfjellskole: erste Alpinschule Norwegens, gegründet 1967

 

Literatur:

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Pauleasca Reise

Der Text wurde geschrieben von Andrea Schider.

Am 23.09.2018 starteten wir ausgehend von Salzburg unsere Reise nach Pauleasca. Es stand uns eine Autofahrt von knapp 1400 Kilometern bevor – einmal quer durch Österreich, durch Ungarn und fast durch Rumänien. 

Europakarte-Rumänien

Nach etwa 14 Stunden, mit einmal ein- und wieder auftauchen aus der Nacht, hatten wir es schließlich geschafft, wir waren an unserem Ziel, Pitești, angekommen. Unser Zuhause für die nächsten Tage war bei einem Haus für Jugendgruppen, getragen vom „Oblaten Orden“. Es steht auf einem tollen Areal, welches von drei jungen Priestern, zwei kleinen Hunden und vielen Katzen betreut wird. Wir wurden von der ersten Sekunde an herzlichst aufgenommen und super versorgt. Als auch Steffi Lanzdorf (Malteser Salzburg) und Anca (Malteser Rumänien – Leiterin des Roma Projektes vor Ort) dort ankamen, hatten wir erstmals bei einem gemeinsamen Abendessen die Möglichkeit, Fragen zum Projekt zu stellen und uns kennenzulernen.

Das Projekt

Die Malteser betreuen hier in Pauleasca (besteht aus den Teilen Troislav, Tinca und Tufanu) Menschen aus der Community in Tinca. Es ist kein „Dorf“ so wie wir das kennen. Man findet es weder auf einer Landkarte noch findet man dort eine reguläre Straße oder Infrastruktur wie Sanitäranlagen/Abwasser/Strom. Obwohl es zum Gebiet der Gemeinden Micesti und Malureni gehört, greift die lokale Verwaltung dort nicht. Dies drückt sich beispielsweise durch die eben fehlende Infrastruktur aus, aber auch dadurch, dass man keine Krankenstation findet und auch die Schulpflicht nur am Papier existiert. Wie viele Menschen genau dort leben, war zunächst unklar, bis Anca von Haus zu Haus ging, um für den Start des Projektes alle Fakten der Community zu erheben. Die Menschen leben in großteils notdürftigen Häusern, welche sie selbst aus Wellblech, Steinen, Holz, Ziegel, Lehm usw. nach und nach bauen. Wenn man bedenkt, dass die Winter doch vergleichbar hart und rau wie bei uns sind – man mag sich gar nicht vorstellen, wie die Bewohner diese Jahreszeit, vor allem mit Babys, in diesen Häusern überstehen….

Ein Roma Dorf in Pauleasca (Rumänien)

 

Der Fokus des Projekts wird auf Mütter mit (Klein-)Kindern gesetzt. Das Ziel ist es, jedem eine Grundlage an Bildung zu ermöglichen um den Kreislauf der bitteren Armut, in  welchem sich Roma seit Jahrzehnten befinden, irgendwann zu durchbrechen. Es soll ein Haus errichtet werden, welches als Anlaufzentrum für die Bewohner dienen soll. Man will einerseits Inhalte wie Erste Hilfe, Hygiene oder  Verhütung thematisieren und andererseits soll es auch als Treffpunkt zum Austausch für Mütter untereinander und mit den Sozialarbeiterinnen dienen. Bereits jetzt spielen die Mitarbeiterinnen jeden Nachmittag mit den Kindern und beraten die Mütter bei Schwierigkeiten rund um ihren Alltag. 

 

Anca nahm uns mit in die Community in Tinca, die etwa 20 Minuten mit dem Auto von unserer Unterkunft entfernt lag. Dort lernten wir noch Anna und eine weitere Anca kennen, zwei Damen, die auch Mitarbeiterinnen beim Projekt sind. Jeden Vormittag gehen sie durch die Siedlung, um mit den Menschen dort zu sprechen, Probleme zu erörtern, bei Bedarf materiell oder sozial zu helfen beziehungsweise Hilfe zu organisieren. An diesem Tag durften wir sie begleiten und viele bekannte Gesichter aus Salzburg begegneten uns. Viele Roma aus Tinca fahren zusammen in Fahrgemeinschaften nach Salzburg, um dort zu betteln oder Straßenzeitungen zu verkaufen und sich somit ihren Lebensunterhalt zu verdienen. Sie freuten sich über unseren Besuch, erzählten über Schicksalsschläge, ihr Leben dort und zeigten uns ihre „Häuser“. Viele Kinder begleiteten uns unterwegs und waren neugierig, was wir dort machen.

Es ist schwer in Worte zu fassen, was einen dort erwartet. Eine Schotterstraße, die durch die Siedlung führt, wo man sich schwer vorstellen kann, dass es überhaupt möglich ist, diese mit einem Fahrzeug zu passieren. Häuser, in denen es weder ein Badezimmer, noch fließendes Wasser, noch Strom oder eine Kochstelle gibt. Meist haben sie nur einen Raum, in dem mehrere Personen schlafen. Darin steht ein kleiner Ofen, der vor allem im Winter wichtig ist. Einige der Bewohner besitzen Pferde, damit sie Holz oder Ähnliches zu ihren Hütten bringen können. Man begegnet dort auch vielen Hühnern, Schweinen und streunenden Hunden.

Am Nachmittag begleiteten wir Anca und Anna zur Schule. Dort werden die Kinder in einer Vormittags- und einer Nachmittagsgruppe unterrichtet. In dem Gebäude trifft sich jeden Nachmittag eine Kleinkinder – Müttergruppe aus der Community, die ebenfalls von den Sozialarbeiterinnen der Malteser betreut wird. Dort hatten wir die Gelegenheit, mit den Kindern des Dorfes zu spielen.

 

Schön zu sehen, wie schnell es geht, dass die kleinen Menschen einen riesigen Spaß haben und einem vertrauen und das obwohl wir nicht die gleiche Sprache sprechen und sie uns noch nie zuvor gesehen haben. 

 

Roma Kinder beim Spielen

Dann hatten wir die Gelegenheit uns Troislav, einer weiteren Community gleich ums Eck von Tinca, anzusehen. Auch dort leben sehr viele Menschen, die man von den Straßen aus Salzburg kennt. Diese Siedlung wird seit mehreren Jahren bereits von einer schwedischen Organisation unterstützt. Auch dort gibt es eine Schule, in der die Kinder lesen und schreiben lernen können. 

Eine Roma Schule im Dorf Pauleasca in Rumänien

Die Reise war sehr eindrucksvoll, interessant und vor allem eine große Bereicherung, durch die wir vieles von unserem, uns als selbstverständlich erscheinendem Leben wieder schätzen lernten.

Außerdem bekamen wir einen ersten Eindruck vom Alltag der Roma und ihrer Wohnsituation. Des Weiteren war es wertvoll, einen Überblick darüber zu gewinnen, welche Projekte vor Ort existieren. Das macht es uns möglich zu überlegen, was wir konkret dort bzw. generell für die Minderheit der Roma helfend tun können. Eine bereits konkrete Idee der Malteser, die wir sehr gerne unterstützen möchten, ist es, in der Umgebung von Tinca  2019 ein Kindercamp auszurichten. 

 

Zuletzt möchten wir uns bei allen bedanken, die uns diese Reise ermöglicht haben. Dabei geht ein großes “Danke” an Steffi Lanzdorf, an Anca, Anca und Anna und an die Betreiber des Hauses des Oblaten Ordens, in dem wir wohnten!!

 

Es tut gut, solche Menschen in unserer Mitte zu haben, Menschen, die sich für Minderheiten einsetzen und Großes leisten.

 

Wir hoffen, es war nicht die einzige Reise nach Pauleasca und freuen uns schon auf Ideen und Aktivitäten, die wir unterstützen oder gemeinsam umsetzen können.


Wenn du unsere sozialen Projekte mit einer Spende unterstützen möchtest, freuen wir uns über eine Kontaktaufnahme:

+43 664 64 664 23

soziales@freiluftleben.at  

Bergsportausübung in Zeiten von Corona

Der COVID-Situation angepasst führen wir unsere Veranstaltungen gemäß den geltenden Vorgaben der Bundesregierung durch und orientieren uns dabei an den Empfehlungen der alpinen Vereine:

 Covid – Maßnahmen bei Freiluftleben:

  1. 1 Meter Mindestabstand einhalten (Selbstcheck und optischer Partnercheck, kein Jausen teilen, Händeschütteln, Gipfelgruß, …) außer zum Abwenden größerer Schäden (Spotten, …)

  2. In die Ellenbeuge husten und niesen

  3. Mundschutz ist als Ausrüstungsgegenstand mitzuführen (Annäherung näher 1 m z.B. Anreise, beim Spotten, …) 

  4. Händedesinfektion (vor Erstkontakt, Jause, Situationsbedingt, …)

  5. Gemeinsames Material so fern möglich vermeiden (Vorstieg ins Seil beißen, Chalkbag, …)

  6. Anreise: Fahrgemeinschaft max. 2 Personen pro Sitzreihe oder öffentlichen Verkehrsmitteln jeweils mit Mundschutz.

  7. Risikobewusstes, umsichtiges und der Situation angepasstes Verhalten bei Bergsportaktivitäten


Wir bemühen uns sowohl um einen praktikablen als auch verantwortungsbewussten Umgang mit der Situation.

Gedanken zur Krise – Chance der Veränderung

März 2020. Corona wandert durch die Welt. Wir sind mehr oder weniger in Quarantäne. Manche können die Situation ganz entspannt sehen, viele jedoch haben existenzielle Sorgen, Panik, Angst vor der Krankheit, Angst vor der Zukunft. Verständlich, wenn der Hahn auf einmal zugedreht wird, aber der Abfluss weiterhin offen bleibt. Unser Wirtschaftsverständnis wird wahrhaftig auf die Probe gestellt.

Die politischen Maßnahmen in der Corona-Krise sind zwar einschneidend und berühren unsere Auffassung von Freiheit, aber wir unterstützen sie natürlich. In ihnen zeigt sich Solidarität und gesellschaftliche Verantwortung.

„Die Mehrheit steht vor einem kritischen Lebensereignis.“

Manche werden sicherlich von der Situation auch wirtschaftlich profitieren können, aber die Mehrheit der Menschen und Institutionen steht erstmal vor einem großem kritischen Lebensereignis: Große Unternehmen, kleine Unternehmen. Einzelunternehmer*innen, Selbstständige, Künstler*innen, Lehrer*innen und und und, aber auch, Kinder, Jugendliche, Senior*innen, Familien, Alleinstehende, Obdachlose und all die anderen Menschen in ohnehin prekären  Lebenssituationen. Die Politik wird gefordert sein, um wirtschaftliche Verluste und persönlichen Krisen etwas abzufedern, vieles wird jedoch an die Grenzen gehen.

Die Effekte auf einer individuellen, gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Ebene werden derzeit hoch spekuliert und werden natürlich auch uns betreffen. Wir sind auf jeden Fall gespannt, wie sich die Situation entwickeln wird…

Wie gehen wir mit der Corona-Auszeit um?
Klar, Freiluftleben als Unternehmen muss sich erst einmal durch den plötzlichen Einbruch der Nachfrage der wirtschaftlichen Diskussion stellen und kurzfristig nach Möglichkeiten suchen, wie die fehlenden Einnahmen kompensiert und die laufenden Verpflichtungen auch weiterhin erfüllt werden können. Es geht um Geld, Investitionen und das Skizzieren von Liquiditätsszenarien. Wir sitzen alle im gleichen Boot,  jede*r Unternehmer*in stellt sich wohl gerade die ähnlichen Fragen.

Der Markt stürzt sich momentan auf die digitale Welt, Bildungsinstitutionen und Unternehmen optimieren sich auf die Onlinearbeit, im Sekundentakt flattern Newsletter mit neuen Möglichkeiten der Informations-und Kommunikationstechnologien ins Postfach, wir hängen viel vor den Bildschirmen herum, Skype, Zoom, whereby, livestreaming etc sind unsere aktuellen Begegnungs- und Bildungsräume. Sollten wir vielleicht auch auf virtuelle Hochtourenkurse oder Glocknerführungen umschwenken? Eine Online-Akademie einführen und digitale Produkte vermarkten? Vielleicht kommt diese Zeit, aber…

…noch bleiben wir dabei: Freiluftleben möchte in erster Linie gemeinsam draußen unterwegs sein, an der frischen Luft, am Berg, im Kontakt mit Natur und Mensch. Wir freuen uns sehr darauf, wenn wir einander bald wieder begegnen und begleiten können.

Wie können wir etwas bewegen?
Wir vergessen manchmal, dass nicht nur mit Geld etwas bewegt werden kann. Durch die Corona-Krise werden zwar plötzlich nahezu all unsere Wirkstätten (= Einnahmequellen) versperrt, aber wir bekommen zumindest eine andere Währung, das Mittel „Zeit“ zur Verfügung, über die wir selbst bestimmen können. Ich muss gerade kein HomeOffice im Schlafzimmer erledigen und muss nebenher drei Kinder in einer Plattenbauwohnung ohne Balkon bei Laune halten. Ich bin gerade nicht allein in einem Flüchtlingscamp, weit weg von meiner Familie und meinem Zuhause, ohne jegliche Perspektive. So sind wir sehr dankbar für dieses Privileg und begeben uns gleichzeitig in Demut gegenüber vielen anderen Menschen, die es weitaus härter trifft, höhere Ausgaben stemmen müssen und eine viel größere Verantwortung auch ihren Familien oder Angestellten gegenüber haben in dieser herausfordernden Zeit. Ich habe eher (noch) Luxusprobleme…

Wir werden unser Bestes tun, die Zeit so sinnvoll wie möglich zu gestalten, sie für uns erfüllend zu befüllen, uns gegenseitig zu unterstützen und etwas davon zu geben, einen aktiven Beitrag für die Gesellschaft leisten, jetzt und in Zukunft.

Ich denke, unsere Angst sollte uns jetzt nicht in Panik und in die Flucht in vermeintliche Sicherheiten führen. Um unsere Angst und somit uns selbst besser kennenzulernen, können wir nun diesen Retreat persönlich für uns nutzen. Lasst uns einen inneren Dialog führen. Die aktuelle Corona-Askese ist prädestiniert dazu. Wir brauchen unsere Angst, ob beim Klettern, Bergsteigen, im Alltag oder in Krisen, aber wir dürfen uns nicht von ihr leiten lassen. Das Anliegen der Angst ist lediglich das Beschützen. Nicht aber das Verängstigen. Krisen sind Gefahr und Chance zugleich, Wendepunkte, Gelegenheiten, Entscheidungen. Jede krisis (gr Unsicherheit) birgt großes Potential für Entwicklungen und Veränderungen.

Ein kleiner Blick hinter den Vorhang:
Wir befinden uns viel im Austausch miteinander. Die Reflexion der Vergangenheit und die aktuellen Erfordernisse bewirken auch bei uns ein Umdenken, erschaffen neue Visionen, bestärken viele bisherigen Wege und zeigen gleichzeitig auf andere Richtungen. Wir lassen uns oft von der Illussion des linearen Wachstums verführen. Wir stellen wieder einmal Fragen für unsere Entwicklung: Wie können wir resilienter und somit zukunftsfähig sein? Wie können wir unsere Homepage ändern, inhaltlich und technisch, damit sie attraktiver für die Öffentlichkeit wird und gleichzeitig auch Inspiration sein kann? Wie können wir noch mehr gesellschaftliche Verantwortung tragen, globale Empathie zeigen? Wie sind die rechtlichen Rahmenbedingungen für unsere Ideen? Wie bleiben wir „liquide“? (…) Der Freiluftleben-ThinkTank bewegt sich gerade zwischen produktive Arbeitssessions und visionären Diskussionen.

„Krisen sind ein fester Bestandtteil von Entwicklung.“

Wir sind auch gefordert, einen veränderten Alltag zu gestalten. Die langen Weilen sind aber nicht langweilig. Das achtsame Aufeinander schauen und die intensive Zeit mit den Nächsten bereichert mich sehr. Ich erfreue mich z.B. an den schönen Geschichten, wenn z.B. Mieter freiwillig auf ihre Miete verzichten oder Aktionen wie Nachbarschaftshilfe.

Natürlich verfolge ich gespannt die aktuelle gesellschaftliche Diskussion, die Entwicklungen in der Wirtschaft und die Maßnahmen der Politik. Die Krise wird große Auswirkungen auf uns haben. Eine schmerzafte Zeit der Trauer, es werden noch viele Menschen wegen Corona sterben. Die Sorgen sind groß. Die Wirtschaft wird wohl zusammenbrechen und viele soziale Probleme auslösen. Unser Glauben an den neoliberalen Kapitalismus wird nun stark infrage gestellt. Ich hoffe aber nicht, dass die vorhandene bzw. entstehende Angst, Macht, Ungleichheiten und soziale Ungerechtigkeiten unsere Gesellschaft noch mehr spalten, sondern dass wir vielleicht nun doch mehr aufeinander zugehen werden.

Eine Zeit zum Sinnieren:
„Ich sitze gerade auf einer Bank, neben einem Baum, der bereits voller Knospen ist, erste frischgrüne Blätter blinzeln bereits hervor. Ich bilde mir sogar den sachten Duft des gelb blühende Busch hinter mir ein. Der Frühling kommt nach Salzburg. Uii, der Wind rauscht aber gehörig durch die Wipfel. Meine Blicke schweifen zu meinem Sohn, der zufrieden in seinem Kinderwagen schläft. Auf einmal merke ich, dass meine Finger von dem geschäftigen Tippseln schon ganz eiskalt geworden sind. Brr, kalt, grau und trüb ist es heute. Morgen wird das Wetter wieder schön. Die Zeit wird sicherlich nicht stehen bleiben.“

Das Wetter und die Natur lehrt uns jeden Tag etwas über die Zeit. Die Zeit verändert ständig und macht lebendig. Das Wetter ist in der Zeit, manchmal stabil, manchmal wechselhaft, manchmal erbarmungslos gewaltig, manchmal einfach perfekt. Wir können weder Zeit noch Wetter beeinflussen. Wir können aber selbst entscheiden, wie wir mit Zeit und Wetter umgehen.

Schlussbilder
Aktuell liegt ein relativ stabiles Corona-Hoch über der Welt. Die starke Hitzewelle fordert weltweit noch immer ihre Opfer. Aber bereits erste Kaltluft-Pfropfen kündigen frischen Wind und angenehmerer Luft an. Jede Wetterlage wird sich irgendwann ändern müssen, denn die Welt braucht ständige Instabilität, Krisen für ihre Balance. Sehen wir die Corona-Krise wie ein extremes Wetterphänomen, an welche wir uns ohnehin im Hinblick auf den Klimawandel gewöhnen sollten (zum Thema “Mögliche Klimaszenarien in der Zukunft” empfehle ich David Wallace-Wells). Krisen bringen zwar ersteinmal Zerstörung, Depression, Zweifel, brechen den Alltag auf. Aber schaffen somit auch Platz für Innovation und Wandel. Das ist der Weg der Entwicklung.

„Wir möchten die Zeit als Möglichkeit nutzen, Neues zukunftsfähig zu konstruieren.“

Der Mensch ist ja dann doch flexibel. Wenn es draußen ungemütlich wird, dann sucht er sich einen Unterschlupf und macht sich es eben drinnen gemütlich. Wer schoneinmal ein paar Tage eingeschneit wurde, weiß, wovon ich rede 😉

Ich ende mit hippen Tagphrasing: #flattenthecurve, #wirhaltenzusammen, also #stayathome bzw. #keepdistance beim #spazierengehen aus #respekt gegenüber risikogruppen und wichtigen gesundheits- und versorgungssysteme, #leavenoonebehind, aber auch, #staypositive, #carpediem, #setyourmind und #solidaritätzeigen, sprich,#machdasbestedraus, und schon vergeht die Zeit wie im #flow.

In diesem Sinne, viel Kraft und Erfolg beim Durchleben der Krise, bleibt Gesund und hört nicht auf, Pläne zu schmieden. Das Wetter wird sich wieder ändern, das ist gewiss ;).

 

Jodelkurs auf der Alm

Jodeln auf der Alm!
Heuer war es zum ersten Mal soweit und wir – Anita Biebl (Musik- und Tanzpädagogin) und Stefanie Lettner (Wanderführerin) – machten uns mit sieben hochmotivierten und interessierten TeilnehmerInnen auf, um in den Radstädter Tauern in freier Natur zu jodeln. Bei dem dreitätigen Kurs – Jodelkurs auf der Alm – nächtigten wir vom 21. bis 23.Juni auf der Glettnalm und der Tappenkarseehütte.

„Holla räiri di, di ridl du-u-o!“

 

Die Glettnalm eignete sich perfekt für den Einstieg des Jodelkurses, da wir sie ganz für uns hatten. So konnten wir inbrünstig und ohne Rücksicht auf Verluste uns vollkommen auf das Jodeln einlassen.

Am zweiten Tag verbanden wir das Jodeln mit dem Wandern. Auf unserem Weg zur Tappenkarseehütte machten wir immer wieder Halt, um mit dem Jodelworkshop fortzufahren. Ob afrikanischer Jodler oder Juchizer, alles wurde an diesem Tag bis zum Umfallen geübt.

„Drei Hoe üba d’Alm daher…“

 

Ein ganz besonderer Ort zum Jodeln bot uns ein Patz am Ufer des Tappenkarsee. Am Wanderweg entlang der Felswand gab es beim Juchizen ein wunderbares Echo. Der sogenannte Diplomjodler zum Erlangen des Jodeldiploms wurde an diesem magischen Ort von jedem/r TeilnehmerIn zum Besten gegeben.

Der dritte Jodelworkshop fand witterungsbedingt in der Tappenkarseealm statt, ganz zu Freuden der anwesenden Gäste und der Hüttenwirte. Da sich am Nachmittag noch eimal die Sonne zeigte, unternahmen wir noch eine kleine Wanderung über das Draugsteintörl zurück zur Tappenkarseehütte, um die letzten Sonnenstrahlen zu genießen.

Zufrieden und beschwingt vom vielen Jodeln ließen wir den Tag gemütlich in der Hütte ausklingen und gaben den einen oder anderen Jodler zum Besten. Erwidert wurde dies von einer Gruppe Niederösterreicher die ihre volkstümlichen Lieder in unsere illustre Runde einbrachten.

…Ein lustiger Abend!…

Den Sonntagmorgen ließen wir mit dem vierten und letzten Jodelworkshop ausklingen. Zum Schluss und ganz zu Freuden der Kursteilnehmer verliehen wir die Jodeldiploma. Nun hatte es sich auch jede/r wirklich verdient.

Wir bedanken uns recht herzlich bei unseren Teilnehmern und Teilnehmerinnen für das wunderbare Wochenende und freuen uns auf das nächste Jahr!
Eure Anita und Steffi!


Aktuelle Termine für unser Programm „Jodelkurs auf der Alm“ sowie weitere Angebote findest du hier:

 

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Outdoorpädagogik

Erstbegehung – „Zauber der Vergänglichkeit“

Unterwegs sein bedeutet oft Inspiration und Quelle neuer Ideen. So schweift der Blick oftmals weg von der Spur des Alltäglichen und sucht in der Umgebung umher nach Möglichkeiten für neue Herausforderungen und Wege im Leben. Während für Klettereien im Fels viele Tage im Jahr zur Verfügung stehen, bleiben bei Eisspuren und besonders für Eislinien in Südwänden meist nur winzige Zeitfenster zum Klettern. Bei der Entdeckung von Eis entsteht in unserer Klimazone und –erwärmung deswegen im gleichen Augenblick die Frage nach dessen Vergänglichkeit. Die Dringlichkeit einer Handlung ist bei südseitigen Eislinien durch die womöglich sehr kleine Dauer der Existenz stark erhöht.

„…bei einer Erstbegehung im Eis in einer winterlichen südseitigen 550 m-Wand aus Kalkgestein müssen schon sehr viele Faktoren zusammenpassen, […] „

Wenn Sonntagabend Timo die SMS tippt: „Dienstag Eis-Erstbegehung? Super Linie!“, dann war mir klar, das wenig zeitlicher Spielraum vorhanden ist. Hinzu kommt, dass unsere Verpflichtungen des Alltags spontane Ambitionen, das Flanieren auf neuen Pfaden oder eben tagesfüllende Aktionen wie diese immer schwieriger machen. Bei dem Versuch einer Erstbegehung im Eis in einer winterlichen südseitigen 550 m-Wand aus Kalkgestein müssen schon sehr viele Faktoren zusammenpassen, um einen realistischen und wohl überlegten Versuch zu wagen und die große Verantwortung mittragen zu können. So braucht es also zumindest 2x (Zeit+Motivation+Vertrauen+Gesundheit+Fähigkeiten) + optimale Temperatur+Strahlung+Eis- und Schneeverhältnisse, um in dieses Abenteuer starten zu können.

Eine gewissenhafte Tourenplanung ist bei solch einer Unternehmung für uns selbstverständlich, die dann auch schnell und eindeutig ergab: Mist, Dienstag ist zu warm und zu sonnig! Aber: Die Wettervorhersage für Mittwoch wäre optimal Unsere Motivation war stark genug, alle Termine und Verpflichtungen so zu biegen, dass wir, Timo und ich, am Mittwoch um 05.00 Uhr im Auto sitzen und gemeinsam ins Tennengebirge fahren konnten.

 

Mit den Tourenski gelangten wir schnell an den vom Sonnenaufgang gerade blutorange gefärbten Wandfuß. Raus aus den Skischuhen, rein in die Bergschuhe, ein letzter prüfender Blick in den Himmel, ob auch wirklich die angekündigten Wolken kommen, eine kurze bestärkende Diskussion über unsere Einschätzung der aktuellen Situation und schon fanden wir uns nach kurzer Stapferei am Einstieg dieser gewaltigen Linie. Timo startete beherzt in die erste Länge. Die Schwierigkeit der Kletterei und die vorherrschenden Verhältnisse nahmen sich die Zeit, die für ein solides Klettern benötigt wurde. Es zeigte sich schnell, dass es wohl länger dauern würde als gedacht.

„…vereiste Wasserrillen, Glasuren wie aus Zuckerguss, mal mehr, mal weniger Eis, dazwischen kombiniertes Graspolstermosaik und Schneeeinlagen von trittfest bis wühlbar weich… genial“

Da die Sonne perfekt von den Wolken verhangen war und es wohl nicht zu warm werden würde, entschieden wir, in sich gegenseitig beflügelnder Seilschaftsperformance weiter zu gehen. Timo jauchzte somit Länge für Länge solide hinauf und durfte kreativ die Stände in die Felsnischen zimmern. Ich kletterte zügig hinterher und war dabei nicht weniger begeistert. Die Kletterei war genial anregend abwechselnd, tolle Eis-Fels-Verschneidungen, für uns noch nie dagewesene vereiste Wasserrillen, Glasuren wie aus Zuckerguss, mal mehr, mal weniger Eis, dazwischen kombiniertes Graspolstermosaik und Schneeeinlagen von trittfest bis wühlbar weich. Und das alles auch noch gut abzusichern. Mixedklettern à la carte.

Es fühlte sich alles so stimmig an. Es war wie verzaubert, das Wetter hielt, was es versprach, die Linie entpuppte sich als eine großartige Kletterei und wir kamen flüssig voran, auch wenn langsamer als erwartet.

„Ein Augenblick zauberhafter Vergänglichkeit.“

Beim Ausstiegsfinale aus der Tour wurden wir zu unserer Begeisterung von einem hell erleuchteten Mond- und Sternenhimmel begleitet. Bei besten Schneeverhältnissen stapften wir im Schein des Mondes über das in winterliche Stille erstarrte Tennengebirge. Und selbst bei der Abfahrt durften wir noch ein paar Schwünge in den im Stirnlampenlicht funkelnden Pulverschnee zeichnen – einfach unglaublich. Als wir wieder zurück ans Auto kamen, war es bereits 22.00 Uhr. Aber was sind schon 14 Stunden im Flow? Ein Augenblick zauberhafter Vergänglichkeit?

Gerade beim Eisklettern erfährt man sehr eindrücklich das Spiel der Endlichkeit. Das so voller Lebendigkeit fließende Wasser ändert seinen Zustand und erstarrt plötzlich zu fragilen Gebilden der Vergänglichkeit. Der Moment scheint wie eingefroren, wir halten uns an ihm fest und wünschen uns innig er währte ewig. Doch wie der Moment fängt auch das Wasser irgendwann wieder an zu fließen, verändert sich oder vergeht. Das Vergängliche ist somit auch ein Segen der Zeit. Jedes (Er)Leben bedeutet gleichzeitig ein Vergehen. Nur ein Hauch der Erinnerung an den „Zauber der Vergänglichkeit“ vorbeigeflossener Zeit wird wohl ewig bleiben.

Danke Leben, für diese wundervollen Märchen, die du uns erzählst. Wir werden dir lauschen, bis du in Seligkeit in uns verstummst.

Infos

Erstbegehung  „Zauber der Vergänglichkeit“, 640m, WI 5+, M4
Erstbegehung Felix Autor, Timo Moser 19.12.2018 (9,5 h)

Eine äußerst abwechslungsreiche und geniale kombinierte Eisroute auf das Hochbrett (2312 m). Die süd-exponierten Gamsmutterwand bildet den imposanten knapp 550 m hohen Talschluss des Gamsmutterkas im Tennengebirge, welches am Ende des Lammertals liegt. Die Route verläuft entlang der Südwandrampe in der Gamsmutterwand. Vergänglichkeit der Verhältnisse und hochalpines, sportliches Abenteuer im Tennengebirge garantiert.

>Topo

Routenverlauf Die Route verläuft entlang der sogenannten „Südwandrampe“ von A. Precht und H. Neumayer 1975 – in den unteren zwei Dritteln entlang einer Südost ausgerichteten, vereisten Verschneidung. Oberes Drittel ist eine etwas zurückgelehnte schneeig-eisige Schrofen-Rampe.

Seillängen
100 m 50° stapfen, dann 14 Seillängen 640 m mit Schwierigkeiten bis WI 5+, M4
120m 3 SL (SL 1-3) WI 5+ untere Verschneidung an Glasuren und Eisschildern
100 m 1 SL (SL 4) leichtes Schneestapfen
120 m 3 SL (SL 5-7) WI 5+ obere Verschneidung an Glasuren, Graspolster und ein Abschluss-Eisschild
300 m 7 SL (SL 8-14) etwas flacheres, kombiniertes Gelände über eingeschneite Platten und vereistes Schrofen-Gelände sowie Stapfen M4, WI 4+

Absicherung nichts belassen außer einem Abseilstand beim Abstieg, Standplätze immer solide im Fels und oft in Nischen gemacht, Zwischensicherung meist am Fels und teils im Eis gut möglich

Verhältnisse Eis oft dünn aber meist gut, teils abgehobene Glasuren, in den Zustieg-, Mittel- und Ausstiegslängen Schnee (Spindrift bei Neuschnee!), Südseitig exponiert (schnell wechselnde Verhältnisse!), Einstieg ca. auf 1650m, Route braucht davor einige konstant wolkig kalte Tage mit Schneedepots als Wasserlieferant. Zwei Sonnentage davor war bei uns gut für Setzung der Schneeseillängen sicherlich mitttelgut für Glasuren (im Dezember ok – Sonnenstand). Webcam im Skigebiet Werfenweng mit Archiv und Wetter-Datenaufzeichnungen hilfreich zum Abschätzen der Verhältnisse und der Wetterhistorie.

Zustieg mit Ski unschwierig ca. 1,5 h

Abstieg (siehe Foto) unschwierig, aber Schnee- und Orientierungsabhängig bzw. oft > 35° Gelände (Lawinengefahr! Stapfen = große Zusatzbelastung!) in Osthängen zwischen Grieskogel und Augstein, 1x 40m Abseilen an Köpflschlingen, Abstiegszeit bis Depot ca. 1,5-2 h

Material
2x 60m Halbseil
1x Totem Friends #0,5 – #1,8 (7 Stück) möglichweise mittlere Doppelt sinnvoll
2x C3 #000 und #00
2x Metolius Offset Cams 00/0 und 0/1
1x Klemmkeilsatz
1x Schlaghakensortiment jeweils 1x (Knifeblade, Fichtl-, Profil-, Drehmoment-Haken)
2x BD-Pecker
4x 10cm Eisschrauben
3x 13cmEisschrauben
2x Eissanduhrenschrauben + Fädler
+Standard Eis- und Bergausrüstung

Literatur
Tennengebirge AV-Führer von Albert Precht (leider vergriffen)
Topo – „Zauber der Vergänglichkeit“

 

Gallerie

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Outdoorpädagogik

Artikel Eisklettern – Salzburger Nachrichten

SN-Schneepulver2017

 

 

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Klettern Kletterreisen

Erkundungsfahrt zum Klettern nach Griechenland

Der erste Schnee im November ließ Timo und Felix erstmal kalt und sie setzten sich kurzerhand ins Auto, um gen Süden auf Entdeckungsreise aufzubrechen. Ihr ambitioniertes Ziel: Griechenland, genauer der Peloponnes. Schon seit geraumer Zeit wird in der Szene von fabelhaftem Fels rund um Leonidio und Kyparissi berichtet. Aber auch andere Namen wie Meteora weckten die Neugier der beiden Freunde. Hier ein kleiner Bericht über ihren Kletter-Roadtrip nach Griechenland:

Kletterzeug, Kletterführer, Schlafsack, Kaffeekocher, Bücher, Gitarre und Laptop in Timos Caddy, Kompassnadel Richtung Süden ausgerichtet und schon waren wir auf der Straße. Aufgrund des Schneefalls in Österreichs, des im Süden liegenden Adriatiefs sowie der Tatsache, noch 36 Stunden Zeit bis zur Abfahrt der Fähre von Ancona nach Patras zu haben, beschlossen wir spontan, nach Slowenien in das bekannte Osp zu fahren. Es lohnt wirklich immer, der imposanten Felsarena von Misja Pec einen Besuch abzustatten. So fanden wir trotz des wechselhaften Wetters viel trockenen Fels und stimmten uns auf die steile Kletterei ein, die in der nächsten Zeit auf uns zukommen sollte. Das Motto nämlich: Kein grauer Fels! 😉

 

Weiter gings dann nach Ancona zum Hafen und dann mit der Fähre über die Adria nach Patras. Wir machten es uns gemütlich auf Deck, sinnierten bei frischer Brise in wunderschönen Meeresstimmungen und steckten die Köpfe in unsere Bücher, bis es uns langsam in einen Winkel und in die Schlafsäcke zog. Am nächsten Morgen schifften wir bereits stets an der griechischen Küste entlang, bis wir schließlich gegen Mittag in Patras einliefen.

Wir beschlossen, zunächst ins bergige Hinterland von Patras zu fahren, um dem Klettergebiet bei Alepochori einen Besuch abzustatten. Ein wahrhaftig toller Spot, nicht umsonst im Kletterführer „Greece. Sportclimbing: Best of“ vom griechischen Kletterpionier Arus Theodoropoulos als „one of the best hardcore sport crags in greece“ bezeichnet. Wir jauchzten die Tufas und Stalaktiten hinauf und tüftelten auch die ein oder andere technisch schwierigere Stelle aus, bis die Sonne langsam hinter den Bergen verschwand und die Dunkelheit einbrach. Was für ein erster Eindruck!

Am nächsten Morgen, nach einem ausgedehnten Frühstück und einem Sprung ins erfrischende Nass, fuhren wir auf der gut ausgebauten Autobahn in Richtung Athen. Es lockten uns die Bilder des Klettergartens Mavrosouvala, welcher sich versteckt ca. 40 km im Hinterland von Athen verbirgt. Die Zufahrt mussten wir etwas verkürzen, da der Weg immer schlechter wurde, die Zustiegszeit verlängerte sich aber trotzdem nur um 3 Minuten. Die Kletterei war steil und nicht so einfach, aber durchaus begeisternd. Wir kamen trotzdem zum Schluss, dass wir die etwas „mühsame“ Anfahrt für diesen Fels nicht noch einmal in Kauf nehmen würden. Mit müden Armen steuerten wir das Lenkrad zurück nach Athen und kämpften uns stundenlang durch den Stadtverkehr. Inmitten der Stadt trafen wir uns mit Alikh, einer alten Freundin von Felix. So verbrachten wir gemeinsam einen schönen Abend in Athen, bestaunten die über der Stadt thronende Akropolis mit dem hell erleuchteten Pantheon und schlenderten dort durch die netten Gässchen.

Der herzliche Abschied war spät in der Nacht, und gleich vertrieb es uns wieder aus Athen. Da wir uns das Stadtverkehrdelirium am nächsten Morgen ersparen wollten, kofferten wir die paar Stunden noch weiter bis nach Nafplio.

 

Erst spät am Morgen kamen wir nach dieser langen wachen Nacht aus den Federn. Aber das war auch nicht tragisch, da heute nur Chillen und Baden am Meer angesagt war. Irgendwann bissen uns dann doch die Ameisen in den Hintern und wir spazierten zügig mit ca. 8 km/h die Küste die paar Kilometer an der Küste ins Stadtzentrum und wieder zurück. 😉 Nebenbei verschafften wir uns einen Eindruck von den guten Klettermöglichkeiten dort. Unter Sternenhimmel und Meeresrauschen wurde noch großartig aufgekocht und bei leckerem Wein und Gitarrenmusik der Abend gestaltet.

Nach dem Frühstück am Meer ging die Reise weiter nach Leonidio, dem Dorf, von dem die Kletterszene seit geraumer Zeit so schwärmt. Leonidio wird umrahmt von mächtigen Felsriegeln, die in der Sonne glänzen und unfassbar viel Kletterpotential erahnen lassen. Die meisten Felsen sind südseitig ausgerichtet. Der Kletterspot „Mars“ versprach aber Schatten und ein Paradies aus Sintern, Tufas und Stalaktiten, sodass wir die 20 Minuten Zustieg in Kauf nahmen.

 

Wir realisierten aber schnell, dass hier das Klettern eine sehr hohe Popularität genoss. Die Einsamkeit am Fels war vorbei, aber die Auswahl groß und abwechslungsreich. Aus aller Länder kommen sie zusammen, die Felsfetischisten, aber das ist sowas von verständlich, genau deswegen waren ja auch wir dort: steile Ausdauerhammer, knifflige Wandklettereien, Löcher in allen Größen und Tiefen, kompakter Fels zwischen gelb, rot und grau, das alles wartet nur, bestiegen zu werden, die eindrückliche Kletterei dort lässt Kletterherzen hüpfen. Der Besuch der Twin Caves am folgenden Tag bestätigte diesen Eindruck, einfach zu Recht gerade hip und trendy. Ein paar Wochen hier könnte man getrost ohne Langeweile verbringen. Ein Tipp: Unbedingt eine leckere Pizza und einen griechischen Salat in der Pizzeria „En Leonidio“ essen und die griechische Gastfreundschaft in vollen Zügen genießen!

 

 

 

Eile mit Weile, so rasteten wir erstmal nach 2 Tagen Sinterzwickerei ausgiebig in Fokiano, einer der schönsten Buchten am Peloponnes, bis es anfing zu regnen. Von dort wurde in den letzten Jahren eine Küstenstraße direkt nach Kyparissi gesprengt. Auch wenn das Landschaftsbild dadurch sehr verändert wurde, ist dadurch das kleine Fischerdorf und nebenbei ein weiteres fantastisches Kletter-Eldorado komfortabel zu erreichen.

 

Auch dieses Örtchen ist umrahmt von grandiosen Felsriegeln mit sehr hohem Erschließungsmöglichkeiten für Klettern mit ständigem Blick auf das Meer. Im Sektor Watermill verbrachten wir einen wirklich grandiosen Klettertag. Babala, der „world-class crag for very hard climbing“ schaut einfach nur genial aus und die Sektoren Kastraki und Playground verprechen ebenso Kletterei in den gemäßigten Schwierigkeitsgraden.

Wir kommen wieder, so unser Schluss. So ließen wir uns entspannt von dem etwas unentspannten Wetter weiter südlich treiben, dümpelten durch die kleinen Bergdörfer, schlossen Bekanntschaften mit süßen Hundewelpen, streunenden Katzen und netten Griechen, die uns mit selbstgebackenen Gemüsestrudel und ungenießbaren Wein beschenkten, warteten geduldig, bis Hirten ihre Schafherden über die Straße trieben und zwängten uns durch abenteuerlich angelegten Straßen, bis wir letztendlich in Vlychada landeten. Auch wenn wir die erste Tageshälfte wegen den heftigen Regenfällen im Auto ausharrten, wurden wir ab Mittag von toller Kletterei direkt am Meer in einer einsamen wunderschönen Bucht belohnt. Wahrlich ein Traumspot.

 

 

In der historischen und absolut sehenswerten Stadt Monemvasia ließen wir uns abends noch einmal von Sehenswürdigkeiten und typisch griechischen Köstlichkeiten verwöhnen. Da die starken Regenfälle im Süden anhalten sollten, brachen wir gen Norden auf. Zunächst ging es schleppend, da wir noch in ein heftiges Unwetter gerieten und uns durch die 30 cm Hagelkörner auf der Straße kämpfen mussten. Dann jedoch zügig, sodass wir gegen Mittag am folgenden Tag die Klöster und beeindruckenden Felsformationen in Meteora bestaunen durften. In anmutiger Stimmung ließen wir uns von der einzigartigen Landschaft beeindrucken und den Sonnenuntergang herbeikommen.

 

 

Die Wettervorhersage versprach trockene Verhältnisse für die kommenden Tage. Aber es kommt bekanntlich anders, und zweitens als man denkt, so holten uns am nächsten Morgen die Regentropfen auf dem Autodach aus dem Schlaf. Die Temperaturen lagen bei 10°C, der Fels war in den in der Nähe befindlichen Klettergebieten Mouzaki und Pyli ebenfalls nass, so wurde nur kurz gehadert und lang ins Auto gesetzt, um am nächsten Tag in dem Klettergarten Warmbad bei Villach in vertrauter Wandkletterei auf Leisten und Löchern diese Erkundungsfahrt gebührend abzurunden. Zuhause ist es eben auch schön.

Zusammenfassend war diese Erkundungsfahrt sehr bereichernd, nicht nur hinsichtlich eines Überblicks über das riesige Kletterpotential in Griechenland, sondern durchaus auch, um die eigenen Vorurteile von „den Griechen“ abzubauen und einen kleinen Einblick in ihre Lebenskultur zu bekommen. Egal, wo wir auftauchten, wir wurden stets herzlich, hilfsbereit und mit großem Interesse empfangen. Hinsichtlich des ökologischen Fußabdruck sind die knapp 4000 km mit dem Auto aber durchaus zu hinterfragen und wir müssen umso mehr dankbar dafür sein, dass wir das Privileg haben, eine solche unbeschwerte Zeit erleben zu dürfen! Wie dem auch sei, die traute Zweisamkeit von Timo und Felix eröffnete darüber hinaus ein großes Diskussionspotential und so war ihre gemeinsame Zeit auf jeden Fall höchst persönlich bereichernd und ein gutes Teambuilding.

Wir von Freiluftleben sind begeistert von Griechenland, ihrer Gastfreundlichkeit und herzlich offenen Art und bieten ab 2018 sowohl Klettereisen nach Leonidio-Kyparissi als auch nach Kalymnos an.

Nach über 4000 km „on the road“, hier nochmal eine Übersicht der 13 Etappen.

  1. Salzburg-Osp, ca 370km / 4h [Slowenische Vignette Monat: 30 €, Maut Tunnel: 19 €]
  2. Osp-Ancona, ca. 530km / 6h [Maut Autobahn: ca. 37 €]
  3. Ancona-Patras (Fähre, ca. 850km / 22h) [pro Person 115€]
  4. Patras – Alepochori, ca 40km / 1h
  5. Alepochori-Mavrosouvala-Athen ca. 350km / 4+1h [Maut Autobahn: ca. 20€]
  6. Athen-Nafplio ca. 140km / 2,5h [Maut Autobahn: ca. 7€]
  7. Nafplio-Leonidio ca. 80km, ca. 2h
  8. Leonidio-Kyparissi ca. 60km, ca. 1,5h
  9. Kyparissi-Vlychada ca. 35km, ca. 1h
  10. Vlychada-Monemvasia, ca. 35km, ca. 1h
  11. Monemvasia-Meteora, ca. 650km, ca. 8h
  12. Meteora-Skopje-Belgrad-Zagreb-Ljubljana-Villach ca. 1500km / 16h
  13. Villach-Salzburg ca. 180km / 2,5h

INFOS ZU KLETTEREIEN IN GRIECHENLAND

Kletterführer „Greece. Sport Climbing: The Best of“ (2017) von Aris Theodoropoulos
Kletterführer „Leonidio Climbing Guidebook“ (2016) von Pánjika Cooperative Climbing (erhältlich in ihrem Café direkt in Leonidio)

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Outdoorpädagogik

Haute Route – Von Chamonix nach Zermatt

08.-14.04.2017, Frankreich/Schweiz: Julia, Evi, Anita und Almut verbrachten mit unserem Bergführer Dominik und mir bei perfekten Wetter- und Schneebedingungen unvergessliche Tage auf den Bergen zwischen Chamonix und Zermatt. Hier nun ein Freiluftleben-Bericht mit detaillierten Zusatzinformationen über diese berühmte Skitourendurchquerung, geführt von einem erfahrenen Guide von Freiluftleben:

Tag 1, Anreise: Nach langer Anreise treffen wir uns zum Abendessen im Hotel Fleur de Neige, eine einfache und preiswerte Unterkunft in Chamonix. Nach entspannten Anschnuppern bei Speis und Trank, bei dem schon ein wenig voneinander erzählt wird, gleiten wir übergangslos über in den ersten offiziellen Programmpunkt, die Tourenbesprechung. Dominik gibt einen kleinen Vorgeschmack in das, was uns auf der Haute Route erwarten wird und was wir dafür alles benötigen. Die Ausrüstungsliste ist lang und alles muss Platz im Rucksack finden. Ski + Stöcke, Felle, Skitourenschuhe, LVS, Klettergurt, Schmuck (wie z.B. eine Eisschraube, eine Bandschlinge und paar Karabiner) sowie das Gewand können natürlich an den Körper, aber verstaut werden muss Pickel, Steigeisen, Schaufel, Sonde, Hüttenschlafsack, Hardshell, Getränke + Jause, Fotoapparat, Erste Hilfe… und dann auch noch all die Dinge des persönlichen Bedarfs 😉 Man(n) und Frau übe sich im Verzicht. Wir gehen in unsere Jurte und rascheln so lange mit unserem Material, bis ein Platz dafür gefunden wird. Nach einem gemütlichen Feierabend-Getränk in „dem“ Szene-Treff in Chamonix direkt um die Ecke, in der „MBC-Microbrasserie„, kuscheln wir uns mit großer Vorfreude auf den nächsten Morgen in die warmen Decken und schließen unsere Augen für spannendes Kopfkino.

  • Auberge Fleur de Neige: 850 Route du Bouchet, F-74400 Chamonix-Mont-Blanc, Tel: +33 450 55 83 31 Email: ? / Übernachtung in origineller Jurte (Schlafzelt für 6 Personen) + Frühstück ca. 35 € / Person, Parkplätze kostenlos vor dem Haus


Tag 2: Aufstieg 1100 Hm, Abfahrt 1800 Hm, ca. 18 km:
Um 6.30 Uhr klingelt der Wecker, um 7.00 Uhr gibt’s Frühstück, um 7.45 Uhr sitzen wir auch schon im Auto nach Argentière. Das Wetter ist formidable! Nach letztem Materialcheck fahren wir zunächst mit der Seilbahn „Plan Joran“ und dann nach kurzer Skiabfahrt an die Mittelstation zum Aiguille des Grand Montets auf 3275 m hinauf, die Aussicht auf den Mont Blanc (4810 m) und auf das knapp 4 km tiefer liegende Chamonix ist umwerfend. Nun geht’s in steiler Abfahrt über den Glacier des Rognons hinab zum Glacier d’Argentière, der umrahmt von namhaften Gipfeln wie die Aiguille Verte (4121m), Les Droites (4000 m) oder der im Talschluss markante Mont Dolent (3823 m) ist. Mit dieser beeindruckenden Kulisse im Rücken steigen wir ostseitig zunächst mit Steigeisen, dann mit Ski zum Col du Chardonnet (3323 m) auf. An dieser Engstelle, wo ca. 80 m durch ein ca. 60° steiles Couloir in die Schweiz abgeseilt werden muss, stauen sich die Menschen aufeinander und es spielen sich Dramen ab, weil viele mit dieser ersten Schlüsselstelle sichtlich überfordert sind. Unser Bergführer Dominik teilt sich mit einem französischen Bergführer das Seil und seilt uns geschwind in einem Zug an dem Chaos im Couloir vorbei. Nach kurzer Rast in wärmender Sonne und Abfahrt geht es im vergletscherten Gelände weiter zum Fenêtre de Saleina (3261m), wo wir zunächst seilgesichert die Randspalte überwinden und dann ca. 100 Hm mit Steigeisen und Pickel aufsteigen müssen, um auf den weiten Glacier du Trient blicken zu dürfen.

In imposanter Gletscherszenerie fahren wir auf diesen an gewaltigen Seracs vorbei zum Aufstieg auf den Col des Escandies (2793 m), wo bei leichter Kletterei über brüchige Felsen und weichem Schnee wieder für ca. 100 m die Steigeisen, Pickel und Seil zum Einsatz kommen. Die lange Abfahrt in das Val d’Arpette ist das Sahnehäubchen für diesen abwechslungsreichen und fordernden Tag. An der Talstation des Sessellifts „La Breya“ in Champex-Lac (1486 m) wartet auch schon das reservierte Taxi auf uns, welches uns nach Bourg St. Pierre (1630 m) in das „Bivouac Napoléon“ bringt. Dort beziehen wir unser eigenes „Haus“, genießen eine letzte warme Dusche und belohnen uns dann à la carte für den langen ersten Tag.

  • Seilbahn „Grand Montets“: Auffahrt 25 € pro Person (ticket alpiniste), Autos können mehrere Tage kostenlos auf dem Parkplatz stehen gelassen werden.
  • Taxi von Champex-Lac nach Bourg St. Pierre: Jean-Claude Mathieu, Tel: +41 27 783 15 64 bzw. +41 79 217 08 27, mathieu.j.c@gmail.com,  ca. 140 € Gesamt.
    Es gibt auch Busverbindungen!
  • Hôtel Bivouac Napoléon: Famille Villettaz-Moret, CH-1946 Bourg-Saint-Pierre, Tel: +41 27 287 11 62 bzw. +41 27 287 12 42, bivouac.napoleon@st-bernard.chwww.bivouac.ch, Übernachtung in Zwei-Bett-Zimmer in großzügigen Räumlichkeiten in separatem Haus, Übernachtung ca. 25 CHF pro Person, exkl. Abendessen, Take-away-Frühstück

 

Tag 3: Aufstieg 1400 Hm, ca. 8 km: Heute steht uns ein langer Hüttenzustieg bevor. Wir wachen früh auf; nach einem einfachen Frühstück schnallen wir unsere Ski an die Rucksäcke und gehen in der Morgendämmerung erst durch die Straßen von Bourg-Saint-Pierre, dann auf Pfaden ins Val de Valsorey mit beeindruckenden Aussichten auf die Flanken und Abbrüchen der umliegenden Berge (Anmerkung: Bestaunen kann man z.B. die steile Nordflanke des Grand Crand Combin de Valsorey (4184 m), welche von Jérémie Heitz („La Liste„) mit den Ski befahren wurde!). Mit dem Drüberblinzeln der Sonne häufen sich die Schneefelder und auch die  Hangneigungen, so steigen wir taleinwärts mit den Ski weiter eher tief-haltend und links-querend auf die steile Gletschermoräne, wo orographisch rechts das Cabane du Vélan (2642 m) und links auch schon unser Etappenziel, das Cabane de Valsorey (3030 m), auf uns hinunterschauen. Mit der bizarren Gletscherszenerie des Mont Vélan (3731 m) im Rücken meistern wir noch die steilen Passagen im letzten Südwesthang vor der Hütte, die wie ein Adlerhorst auf einem Felsabsturz thront. Schon sehr früh am Nachmittag können wir uns in die Sonne legen und die grandiose Aussicht genießen. Im Laufe des Nachmittags werden einige neue Bekanntschaften gemacht, die wir auch in den nächsten Tagen begegnen werden. Zum Beispiel köstlich amüsant ist das Zusammentreffen mit zwei Salzburgern, die zunächst auf die Vélanhütte gestiegen sind, sich dort in die Sonne flackten, bis bei einem „Wos isn des eigentlich fia a Hittn do obn?“ realisiert wurde, dass man sich im Berg geirrt hatte. Die dann doch noch anstehenden 700 Höhenmeter wurden von ihnen mit Humor getragen ;). Die sympathische Bewirtung dieser kleinen urigen Hütte von Isabelle und ihrer Gehilfin rundet den Tag auch kulinarisch-entzückend und persönlich-herzlich ab, wir drücken unser Danke gerne mit dem Mithelfen beim Geschirrabtrocknen aus.


Tag 4: Aufstieg 1100 Hm, Abfahrt 1500 Hm, ca. 12 km:
 Nach gemütlichem Frühstück und kurzem Zustieg mit den Tourenski stehen wir vor der „Schlüsselstelle“ der Haute Route, der bis zu 45° steilen Südwestflanke auf das Plateau du Couloir (3660 m), auf dessen Schneid das Bivouac Biagio Musso sitzt. Die Ski wandern also an den Rucksack, die Steigeisen an die Schuhe und der Pickel in die Hand. Unser Bergführer führt uns mit guter Umsicht in guter Spur durch dieses steile, teils felsdurchsetzte Gelände. Oben angekommen weiten sich die Ausblicke enorm und die Freude groß.

Nach kurzer Skiabfahrt in den Grund des Glacier du Sonadon, nach abermaligen Aufstieg durch das Col du Sonadon (3504 m) und südlich querend auf der Grenze zwischen der Schweiz und Italien stehen wir bald nach kurzer leichter Gratkletterei auf unseren ersten Gipfel, den Grande Tête de By (3587m). Von dort blicken wir erhaben zurück zum Grand Combin mit seiner markanten Südflanke, dem face sud, lassen unsere Blicke schweifen zum Mont Blanc-Massiv, wo markant durch die Wolkenfetzen die hohen Wände der Grandes Jorasses durchblitzen, über den zerklüfteten Gletscher des Mont Vélan und den dahinterliegenden Grajischen Alpen mit ihrer höchsten Erhebung, den Gran Paradiso weiter zu den hohen Gipfeln der Monte Rosa und über die Walliser Alpenwelt zu unserem Ziel, dem Matterhorn, welches wir nun das erste Mal erspähen können. Wir finden feinsten gesetzten Pulverschnee in den Nordhängen des Grande Tête de By und fahren auf seifigen Firn jauchzend über den Glacier du Mont Durand und, kurz unterbrochen durch einen kurzen Aufstieg auf den Südostrücken des Mont Avril, weiter in den Kessel der Charmotane (2236 m). Den letzten Gegenanstieg über 250 Höhenmeter nutzen wir, diesen höchst abwechslungsreichen Tag bei guter Laune nach zu sinnieren und schon bald erreichen wir das idyllisch gelegene Cabane de Chanrion (2462 m). Dort ist dann erstmal stundenlanges Chillen bei sommerlichen Temperaturen und strahlendem Sonnenschein angesagt, das wohlverdiente Getränk und frisch gebackener Kuchen schmeckt in einer Umrahmung von formschönen Gipfeln wie Mont Avril (3347 m) oder Bec d’Epicoune (3531 m) ganz besonders lecker. Irgendwann treiben einen dann die kalten Schatten des Grand Combin in die warme Stube, wo bei Speis und Trank mit bekannten Gesichtern ein geselliger Abend verbracht wird, währenddessen draußen der Vollmond die Bergszenerie immer mehr in ein leuchtendes mystisches Licht taucht.


Tag 5: Aufstieg 1400 Hm, Abfahrt 700 Hm, ca. 11 km:
 Da die Morgenroutine so gut läuft, starten wir schon völlig entspannt zum Grund des Glacier du Brenay, nur die Moränen erinnern noch an seine ursprüngliche Mächtigkeit. Im fließenden Übergang auf die Gletscherflächen biegen wir nach links auf den Glacier de la Serpentine ab (Anmerkung: Der Weg durch den Gletscherbruch des Brenaygletscher kann nicht mehr empfohlen werden!). Auf diesen geht es vorbei an Gletscherbrüchen und endlos dahinziehenden Gletscherflächen über den Col de la Serpentine (3542 m) und vorbei am Col du Brenay (3633 m) direkt mit den Ski auf den höchsten Punkt der Haute Route, den Pigne d’Arolla (3790 m). Die Aussicht von dort in die Weiten des Gipfelmeeres ist äußerst beglückend, der landschaftliche Reiz ist überragend.

Auch die anschließende Abfahrt zum Cabane des Vignettes (3160 m) lässt unsere Herzen höher schlagen. Die Vignetteshütte liegt gewagt gebaut an den steilen Felsabbrüchen in das Couloir du Pissoir, welches uns ungläubigerweise sehr jungfräulich präsentiert. Ein Blick zwischen Dominik und mir genügt, und schon schnallen wir uns nochmal die Ski an, um die perfekten Schneeverhältnisse im Couloir zu nutzen und unsere Spuren dort hinein zu zeichnen. Die 500 Hm zurück ist es allemal wert 😉 In höchster Befriedigung trotzen wir den latenten Pissoir-Geruch um der teilweise neu renovierten Hütte und lassen uns die Abendsonne ins Gesicht scheinen und danach mit kulinarischen Köstlichkeiten der Hütte verwöhnen. Zur Nachspeise gibt es sogar ein Éclair mit Kaffeecrème, einfach nur unglaublich, dieser Luxus hoch oben auf den Bergen. Die voll besetzte Hütte bestätigt die große Nachfrage nach dem Bergkonsum, wir sind da mittendrin, jammern nicht und sind einfach dankbar für den Komfort, für dessen Ermöglichung ein irrer logistischer Aufwand betrieben wird. Chapeau!


Tag 6: Aufstieg 1300 Hm, Abfahrt 2700 Hm, ca. 31 km:
Frühstück gibt’s um halb 6, wir sind alle topmotiviert für die letzte Etappe der Haute Route. Nach einer kurzen Skiabfahrt auf die weiten Gletscherflächen am Col de Charmotane (3040 m) reihen wir uns gemütlich in die Kolonnen ein, die Richtung Col de l’Evêque (3382 m) ziehen. Der Berg ist groß, die Menschen verteilen sich gut. Wir trotzen dem stürmischen Wind auf der Scharte und genießen lieber die Schwünge auf den den Hängen zum Haute Glacier d’Arolla (ca. 2900 m), wo wir weiter zunächst sanft auf den Ski, dann aber wieder sehr steil mit Steigeisen und Pickel zum Col du Mont Brulé (3213 m) aufsteigen. Dort bietet sich neben einer überwältigende Ansicht der weiten südostseitigen Gletscher des Dent d’Herens der Blick auf die letzten Aufstiegsmeter, die sich doch noch ein wenig ziehen, bei wechselnder gleisender Sonne und beißendem Wind. Überglücklich können wir uns umarmen am Col de Valpellin (3557 m), wo uns die visuellen Eindrücke des markanten Matterhorn – Monte Cervino – Mont Cervin (4478 m) und die bedrohlichen nordseitigen Hängegletscher und Seracs des Dent d’Herens (4174 m) erschlagen.

Zwischen Euphorie und Demut lassen wir unsere Skispitzen wieder in Richtung Tal blicken, auf dem Stockji-Gletscher versüßt unser Bergführer Dominik noch mit dem tollen südseitigen Firnhang des Stockji (3092 m) auf den Tiefmatten-Gletscher das ohnehin schon grandiose Abfahrtserlebnis in dieser anmutigen Kulisse. Langsam und besinnlich gleiten wir auf dem Zmutt-Gletscher in Richtung Zermatt und realisieren in der Kulisse alpiner Berühmtheiten wie der schwarzen Nordwand des Matterhorns oder der Südwand des Obergabelhorn (4063 m) die Tatsache, dass diese Tage mit diesen traumhaften Bedingungen wahres Glück bedeuteten und sich unvergessen in unseren Erlebnisschatz einnisten werden. Auch wenn man sich fast ein bisschen außerirdisch vorkommt, wenn man sich wieder in ein Skigebiet begibt, lassen wir im Restaurant „Stafelalp“ (2200 m) superglücklich und auch ein wenig stolz die Gläser zum Klingen bringen. Pröschtli!
Der Schnee der Piste reicht noch bis nach Zermatt (1600 m), dort wartet schon das Taxi, dass uns nach Herbriggen (1250 m) ins Hotel Bergfreund bringt, wo wir bald mit einer warmen Dusche den feierlichen Abend mit allerlei Köstlichkeiten einläuten und dann noch einmal diese unglaubliche Woche Revue passieren.

  • Hotel Bergfreund: Familie Remo Almendinger, Dorfstrasse 93, CH-3927 Herbriggen, +41 27 955 23 23, info@hotel-bergfreund.ch, hotel-bergfreund.ch – Hoteltaxi zurück nach Argentière
  • Alternative Zug: von Zermatt nach Martigny via Visp 63 CHF, von Martigny nach Argentière 28 CHF


Tag 7, Ausklang:
Nach einem ausgiebigen Frühstück im Hotel Bergfreund bei Rosie, die „Mama“ aller Bergführer*innen, verabschieden wir uns herzlich aus dem Mattertal und lassen uns entspannt mit dem Hoteltaxi zurück nach Chamonix bringen. Der Tag ist noch lang, das Wetter perfekt, so entscheiden Evi, Almut, Anita und Julia, noch mit der Seilbahn auf die Aiguille du Midi rauf zu fahren, um mit der Befahrung des Vallée Blanche noch ein weiteres Highlight mitzunehmen. Ich habe genug von Schnee und widme mich lieber dem steilen Fels. Mit Freunden gehe ich nach Saint-Gervais in das Klettergebiet Bionnassay. Einen feucht-fröhlicher Abschluss findet diese ereignisreichen Woche am Abend in den Bars und Pubs von Chamonix..

Hier gehts zu unserem Programm Haute Route – Von Chamonix nach Zermatt

INFOS

Charakteristik und Schwierigkeiten: 5 Tage / Aufstieg ~6300 Hm / Abfahrt ~6200 Hm / ~88 km

Unsere Bergführer*innen führen die Haute Route von Chamonix bzw. Argentière nach Zermatt im Idealfall in der alpinen Variante über das Plateau du Couloir und den Gipfeln Grande Tête de By und Pigne d’Arolla. Diese Variante ist eine anspruchsvolle Skihochtour im hochalpinen Gelände, bei der eine gute Kondition sowie das sichere Befahren von Steilhängen bis 35° auf spaltenreichen Gletschern bei allen Schneeverhältnissen obligat ist. Erfahrung im Umgang mit Steigeisen und Pickel sind wünschenswert, das seiltechnische Know-How bringt ein*e Bergführer*in mit. Die Wegfindung ist bei entsprechender Tourenplanung und Wetterverhältnissen relativ einfach – bei Schlechtwetter kann es naturgemäß zu Orientierungsproblemen kommen, v.a. auf den weiten Gletschern! Varianten sind denkbar, aber nur eingeschränkt möglich. Es wird darauf hingewiesen, dass dieser Erfahrungsbericht diese Skiroute bei optimalsten Wetterverhältnissen und Schneebedingungen zeigt.

Übernachtung – Verpflegung – Konsum

Übernachtung in Lagern und Halbpension auf den Hütten kostet zwischen 60 und 70 CHF, inkludiert ist ein einfaches Frühstück (Brot, Müsli + Kaffee/Tee) und ein 3-Gänge-Abendessen (Suppe – Hauptspeiße – Nachspeise) exklusiv Getränke! Marschtee/Mineralwasser 1,5l kostet ~10 CHF, ein Bier 0,5l zwischen ~7,50 CHF. Wenn man Teebeutel mitnimmt, bekommt man 1l heißes Wasser für ~4 CHF.
Bei enthaltsamen Konsumverhalten (z.B. eben nur 1-2 Bier täglich auf der Hütte 😉 muss für die Haute Route (mit Transfers/Seilbahnkosten, exkl. Anreise) mindestens um die 500 € Spesen einkalkuliert werden, geht aber leicht auch doppelt so viel. Wer Platz im Rucksack findet; die Mitnahme von einem Laib Brot, ein gutes Stück Käse, eine Tafel Schokolade und genügend Müsliriegel helfen dabei, paar Tage die lustvollen Bedürfnisse am Nachmittag zu zähmen 😉

Danke, Dominik, für die Inspirationen!

Kategorien
Klettern

Klettern mit unbegleiteten minderjährigen Flüchtlingen

Seit 2015 treffen wir uns in unregelmäßigen Abständen mit unbegleiteten minderjährigen Flüchtlingen zum Klettern. Die Volkshochschule Salzburg war Initiator und Förderer eines Projektes, bei dem wir einige Bouldersessions für Jungs, die in den vom Verein Menschenleben betreuten WGs wohnen, durchführen konnten. Das Universitätssport-Institut (USI) ermöglichte eine kostenlose Teilnahme für die jungen Asylbewerber*innen an einem von uns geleiteten Kletterkurs. Auch bei ehrenamtlichen Aktionen und von uns organisierten Klettertagen verbrachten wir bisher einige gemeinsame Zeit bei entspannt-lustigen Klettereien.

Weitere Möglichkeiten für Outdooraktivitäten stellen wir uns gerne vor und bieten uns dafür gerne als Veranstalter zu fairen Preisen an. Wir möchten ein für die Zielgruppe kostenloses und freiwilliges Freizeitangebot schaffen, welches ihnen einerseits einen sportlichen Einblick in die Welt des Kletterns gewährt und andererseits als Möglichkeit dienen soll, um ihren Alltag anders zu gestalten, ein geselliges Miteinander und auch der Kontakt zu anderen Menschen zu ermöglichen. Der Spaß steht dabei im Vordergrund. Unsere Anliegen:

  • Bouldern und Seilklettern mit unbegleiteten minderjährigen Flüchtlingen
  • Netzwerk aufbauen – Projekt in Kooperation mit verschiedenen Institutionen in Salzburg
  • Spaß am Klettern finden und eine gute Zeit erleben
  • interkultureller Austausch bei nicht alltäglichen Aktivitäten ermöglichen
  • körperliche Aktivität fördern
  • soziale Räume schaffen, interkultureller Austausch erwirken
  • Alltagsgestaltungsmöglichkeiten für die Zielgruppe schaffen

Wenn du Fragen zum Projekt bzw. Terminen hast oder diese Idee unterstützen möchtest, dann melde dich einfach bei uns!

Wir sind bei unserer Arbeit auf Spenden angewiesen. Geldspenden mit dem Verwendungszweck „UMF“ an den Verein Freiluftleben werden projektbezogen eingesetzt!

„Verein Freiluftleben“
Verwendungszweck: UMF
IBAN: AT 98 2040 4000 0354 1315
BIC: SBGSAT2SXXX

Vielen Dank an alle Menschen, die bereits Kletterschuhe gespendet haben!

Für Sachspenden verweisen wir auf andere wohltätige Organisationen z.B. die Caritas.

Vielen Dank für die bereichernde Zusammenarbeit und das gemeinsame Wirken: VEREIN MENSCHENLEBEN